Realisierte WMS-Projekte

Ehrhardt + Partner GmbH & Co. KG

24-Stunden-Service für den Versandhandel realisiert

Kunde

Spedition Pracht

Fertigstellung

30.11.1993

Land

Deutschland

Branche

  • Speditionen

Beschreibung

Aufgabenstellung

Barcodegestützte, beleglose Lagerführung bei Spedition Pracht
Als die Spedition Pracht im Jahre 1993 ihr neues Möbelverteilzentrum für Neckermann mit einer Fläche von 25.000 qm in Rennerod startete, wurde gleichzeitig eine neue Lagerführungs-Software eingeführt. Ziel war es, den Personaleinsatz effizienter zu gestalten, den Lagernutzungsgrad zu erhöhen, den Verwaltungsaufwand zu minimieren, die Lieferzuverlässigkeit zu verbessern und vor allen Dingen die permanente Auskunftsfähigkeit herzustellen.

Im Gegensatz zu einem Fertigwarenlager am Ende einer Produktionslinie mit konstantem Lagerplatz-Layout und immer wiederkehrenden Normgrößen der Lagerhilfsmittel ist ein Distributionslager für den Versandhandel einem ständigen Wandel unterworfen. Selbst in der gleichen Katalogperiode (Herbst/Winter, Frühjahr/ Sommer) können bei wechselnden Lieferanten für den gleichen Artikel unterschiedliche Lagerhilfsmittel notwendig sein.

Pracht hatte sich für eine zweistufige Kommissionierung mit Vorratslager und Kommissionierlager entschieden. Auch hier zeigte sich, daß die völlig unterschiedlichen Zyklus-Zeiten der Artikel, kombiniert mit den Engpässen des 24- Stunden-Services eines Versandhandels, hohe Anforderungen stellen.

Während bei normalen Artikeln mit unterschiedlicher Umschlagshäufigkeit die Bildung von Arbeitspaketen und eine zweistufige Kommissionierung durchaus die unterstellten Rationalisierungsvorteile erbringt, tolerieren andererseits schnelldrehende Artikel, insbesondere im Backorder-Service, keinerlei Verzögerung durch Zwischenlagerschritte.

Dabei ist zu berücksichtigen, daß Pracht dem Versandhandel einen kompletten 24-Stunden- Service bis zum Endverbraucher bietet, d.h. die telefonische Bestellung des Verbrauchers ist bis 12.00 Uhr mittags beim Versandhandel möglich. Die letzte EDI zu Pracht erfolgt 14.30 Uhr. Danach müssen alle Programmschritte von der Bestandsprüfung, Auftragsübergabe an das Lagerführungssystem, Tourenplanung mit Zuordnung auf die einzelnen Zustellgebiete in Deutschland durchlaufen werden. Anschließend muß die Kommissionierung, Bereitstellung und Verladung physisch durchgeführt und für die weitesten Touren bis 18.00 Uhr abgeschlossen sein. Innerhalb kürzester Zeit stellte sich heraus, daß hier papiergebundenes Arbeiten mit Listen-Management, Wartezeiten und manueller Rückmeldung den zeitlichen Engpässen nicht gewachsen war.

Alles in allem gestaltete sich die Einführungsphase des neuen Lagers und des Lagerführungssystems wie ein Seminar zur Einführung von belegloser Lagerführung.

Wie sieht nun nach Umstellung auf ein barcodegestütztes, funkorientiertes, belegloses Lagerführungssystem der Ablauf aus?

Bereits vor der Einlagerung, nach der Wareneingangskontrolle, werden die Lagerhilfsmittel mit einem eindeutigen, Pracht-eigenen Barcode- Label versehen. Dieser Barcode-Label kontrolliert den Durchlauf des Ladehilfsmittels durch den gesamten Prozeß, bis die Ware das Distributionslager wieder verläßt.

Der Staplerfahrer liest bei der Einlagerung in das Vorratslager den Barcode des Ladehilfsmittels und zur Kontrolle der richtigen Einlagerung den Barcode des Lagerplatzes. Die Einlagerungs- Information landet realtime per Funk in der AS/400-Datenbank. Die Ware wird in diesem Moment für den Pracht-Auftraggeber verfügbar. Bei der Entnahme des Ladehilfsmittels wird, gleichgültig, ob es sich um eine Umlagerung oder um einen Kommissioniervorgang handelt, jeweils immer wieder dieser Pracht-eigene Barcode gelesen. Der Verlauf des Ladehilfsmittels durch den Prozeß bleibt so in der Datenbank ständig nachvollziehbar. Zusätzlich wird beim Kommissioniervorgang eine weitere Barcodenummer eingesetzt. Vor Beginn der Kommissionierung belabelt der Mitarbeiter den Kommissionierbehälter (Palette, Gitterbox, Corlette) mit einer fortlaufenden Behälternummer. Durch Scannung wird dieser Barcode mit den zur Abarbeitung anstehenden Arbeitspaketen verknüpft. Inzwischen dient diese Barcodenummer zusätzlich als Steuerungsinformation für die Unterflurförderkette mit einer Länge von fast 1.800 m und insgesamt 23 Einschleusungs- und Ausschleusungsstationen.

Nach Abschluß der Kommissionierung ruft der Bereitsteller über die Kommissionierbehälternummer die zum jeweiligen Arbeitspaket gehörenden Barcode-Etiketten für die Verladescannung auf. Mit diesen Etiketten für die Verladescannung wird jedes Packstück vor endgültiger Übergabe in die verteiler-/tourenbezogenen Verladezonen etikettiert und auf dem weiteren Laufweg bis zum Endverbraucher über diese mit der Mandanten-Auftragsnummer verknüpfte Information unter Kontrolle gehalten.

Damit ist die komplette Barcodeverfolgung vom Wareneingang in das Distributionslager bis zur Ablieferung beim Endverbraucher in das System der funkgesteuerten Lagerabwicklung integriert. Ohne den Barcode wäre der Wegfall des Papierhandlings und der Einsatz von Datenfunkterminals technisch nicht lösbar. Über das Zusammenspiel von Funk- und Barcode-Technologie werden folgende Ziele erreicht:

  • Prozeßsicherheit
  • Schnelligkeit der Abläufe
  • Arbeitszeitersparnisse durch Wegfall unnötiger, zeitaufwendiger Arbeitsvorgänge
  • Gewinnung von Leistungsinformationen

Im Sinne der Prozeßsicherheit für alle Beteiligten wird Barcode-Scannung und Funk-Transmission dazu benutzt, jeden Aggregatzustand einer Sendung zu speichern und unverzüglich an denjenigen weiterzuleiten, der diese Information sinnvoll nutzen kann.

Was die Nutzung des Barcodes im Sinne der Industrialisierung des Logistik-Prozesses betrifft, stehen wir noch ganz am Anfang. Es ist vorstellbar, daß als erster Schritt die Verknüpfung der Scannungs-Daten an den unterschiedlichsten Schnittstellen mit den kompletten Daten in der Datenbank erfolgt.

Einfließen werden die Barcode-Daten in Verknüpfung mit der Sendungs- und Kundendatenbank auch in die Engpaß-Analyse der Deckungsbeitragsrechnung bis hin zum Yield-Management. Durch die prinzipiell immer vorhandene Möglichkeit, die Zeit des Scanvorganges festzuhalten, werden Engpaß-Belastungen einzelner Kunden oder Speditionspartner sichtbar, unterschiedliche Zeitaufwände für unterschiedliche Artikel/Artikelsortimente deutlich.

Letztes Endes wird der Barcode auch physische Automatisierungen in der Logistik unterstützen. Bei ersten Ansätzen, wie der Verwendung in der Steuerung der Unterflurförderkette, wird es nicht bleiben. Automatische Transportsysteme auch in der Sammelladungsspedition, Verstetigung der Arbeitsabläufe, Ersatz menschlicher Arbeitszeit durch Sachkosten sind Notwendigkeiten, die zur immer stärkeren Industrialisierung der Spedition und der Logistik führen. Der Barcode wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
Nur wer zu jedem Zeitpunkt weiß, wo sich die ihm anvertrauten Waren und Güter befinden, wird bei Auftraggebern und Industriepartnern bestehen können. So denken die Verantwortlichen von Pracht Spedition + Logistik in Haiger, einer hundertprozentigen Tochter des hamburgischen Hapag-Lloyd-Konzernes schon lange. Die Bewirtschaftung von über 100.000 qm Lagerfläche für die Großgüterdistribution an den Standorten Haiger und Rennerod veranlasste die Verantwortlichen von der konventionellen, papiergebundenen auf die beleglose, barcodegestützte Lagerführung umzustellen.

Man entschied sich für das Lagerführungssystem LFS 400 der Firma Ehrhardt + Partner, weil das Programm als native AS/400-Anwendung alle Vorteile der relationalen Datenbank ausschöpft. Außerdem war die Anbindung der funkbasierten Online-Terminals per Software-Schnittstelle vorhanden und direkt realisierbar. Derzeit sind an den beiden Standorten Haiger und Rennerod 64 Funkterminals (fünf Handterminals, 54 Staplerterminals und vier mobile Fullscreen-Terminals) im Einsatz – wohl eine der größten Datenfunkanwendungen Deutschlands.

Täglich werden für Großkunden wie Neckermann, Schöpflin oder Baur 40 Lastwagen mit Waren (weiße und braune Ware, Neumöbel) vereinnahmt und ein Volumen von ca. 60 Wechselbrücken kommissioniert.

Eingesetzte LFS 400 Module

  • Basismodul
  • Datenfunk
  • Qualitätskontrolle
  • 2-stufige Kommissionierung
  • Unterschiedliche Reservierungs-Strategien für 24/48/72-Stunden-Service
  • Dynamische Lagerplatzverwaltung, Blocklager
  • Anbindung an kundeneigenes Auftragsabwicklungssystem

Ansprechpartner

Telefon: (+49) 67 42 / 87 27 0

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