Realisierte WMS-Projekte

SAP AG

Individuell erweitertes SAP LES verwaltet neues DORMA Logistikzentrum

Kunde

Dorma

Fertigstellung

31.01.2006

Land

Deutschland

Branche

  • Metall- u. kunststoffverarbeitende Industrie
  • Elektro
  • Möbel

Beschreibung

Aufgabenstellung

Mehr als 400 Lieferungen täglich werden in dem neuen Logistikzentrum von DORMA in Wuppertal abgewickelt. Dabei ist der in das automatische Kleinteilelager integrierte Sorter nur eine Besonderheit von vielen. Denn das eingelagerte Produktspektrum reicht von kleinen Schrauben bis zu meterlangen Profilen oder schweren Antrieben – eine Vielfalt, der viastore systems als projektverantwortlicher Intralogistik- Spezialist mit einer individuellen Anpassung der SAP Lagerverwaltung gerecht wurde. Seit Anfang 2006 beliefert DORMA seine Kunden, Werke und Tochtergesellschaften aus dem neuen „Regional Logistics Center Central Europe" (RLC CE+). Das Unternehmen ist ein internationaler Anbieter von Produkten rund um die Tür. In den Bereichen Türschließtechnik, mobile Raumtrennsysteme und bei automatischen Türsystemen ist DORMA Weltmarktführer. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2004/2005 einen Umsatz von 700 Mio. Euro und beschäftigt weltweit rund 6.100 Mitarbeiter. Für DORMA ist das neue RLC CE+ ein wichtiger Baustein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, und ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. „Wir wollen besser sein als unser Wettbewerb", so Jürgen Lankes, Leiter der DORMA Gruppenlogistik. „Dazu gehören nicht nur die Qualität unserer Produkte, sondern auch der optimale Lieferservice. Ziel des neuen Logistikzentrums war es daher, neben der Reduzierung der Logistikkosten die Liefergeschwindigkeit zu steigern und unsere Waren konzentriert in einem Schritt an unsere Kunden zu senden." So entschloss sich DORMA, die gesamte Liefernetzstruktur zu optimieren. Mit der Realisierung des neuen Logistikzentrums beauftragte DORMA die viastore systems GmbH als Generalunternehmen. Das Stuttgarter Unternehmen lieferte neben dem neuen automatischen Kleinteilelager mit drei Regalbediengeräten vom Typ viaspeed auch die fünf Regalbediengeräte vom Typ viasprint für das Palettenlager. Zudem implementierten die Softwarespezialisten von viastore systems eine individuelle SAP LES-Lösung als Lagerverwaltungssystem.

Standort sichern
„Vor rund sechs Jahren hing auch über uns das Damoklesschwert der Verlagerung nach Asien", erinnert sich Lankes. „Wir hatten bereits seit 1980 eine Fertigung in Singapur und wussten also, wie günstig man dort produzieren kann. Doch der Inhaber des Unternehmens stand schon immer hinter dem Standort Deutschland. Das setzte allerdings auch voraus, dass wir damals die Strukturen neu organisierten, so dass unsere Kosten international wettbewerbsfähig waren." Doch der alte Traditions-Standort von DORMA in Ennepetal, seit fast 100 Jahren gewachsen und in einer Hanglage von den Örtlichkeiten her begrenzt,stellte dabei eine Herausforderung dar. Auch das Versandzentrum war damals noch dort untergebracht. „Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, benötigte die Produktion in Ennepetal weitere Flächen, so dass wir uns entschlossen, den Versand von Ennepetal nach Wuppertal zu verlegen", erläutert Jürgen Lankes. Gleichzeitig sollten die verschiedenen Lager in Deutschland und Europa zentralisiert werden, um den Versand zu optimieren: „Ziel war es, die Kunden in Zentraleuropa, Skandinavien und in den neuen osteuropäischen Märkten bis hin nach Vorderasien aus einer Hand zu beliefern." Gleichzeitig wurde die bisher auf die einzelnen Vertriebsabteilungen verteilte Auftragsabwicklung in das neue Zentrum integriert. Auch gruppenintern sollte das RLC CE+ zur internationalen Drehscheibe werden. So plante DORMA, auch die Tochtergesellschaften in Asien, Australien sowie Nord- und Südamerika aus dem zentralen Lagerbestand zu bedienen.

Umzug ohne Nachteile für Kunden
Nachdem die Entscheidung für den Umzug des Lagers von Ennepetal nach Wuppertal gefallen war, musste man sich der nächsten Herausforderung stellen, wie Andreas Stade aus der DORMA Gruppenlogistik erzählt: „Trotz des Umzugs musste die Lieferfähigkeit zum Kunden zu hundert Prozent aufrecht erhalten werden, dem Kunden durften keineNachteile entstehen." Um die Investitionskosten möglichst gering zu halten, sollte außerdem die erst vor wenigen Jahren von dem Stuttgarter Spezialisten für automatische Lagersysteme viastore systems in Ennepetal installierte moderne Lagertechnik weiter genutzt werden. Bis Oktober 2005 wurden die neuen Regalsysteme, Regalbediengeräte, Förderanlagen und Steuerungen installiert und in Betrieb genommen sowie Regalsysteme aus Ennepetal an den neuen Standort verlegt. Zwischen Weihnachten 2005 und Neujahr 2006 erfolgte der Hauptumzug. Danach wurden Schritt für Schritt die restlichen Lagergassen und Kommissioniergeräte in Ennepetal demontiert und in Wuppertal wieder aufgebaut.

Ziel: Mehr Durchgängigkeit
Das RLC CE+ verfügt heute über ein dreigassiges, vollautomatisches, doppelttiefes Behälterlager mit viaspeed-Regalbediengeräten (RBG) von viastore systems, an das drei Kommissionierplätze angeschlossen sind. Zusätzlich bietet das vergrößerte Paletten-Regalsystem in fünf über viasprint-RBG bedienten Gassen Stellplatz für 1.860 Europaletten. Doch die Förder- und Lagertechnik war nur ein Teil des neuen Lagerkonzeptes, wie Joachim Bernard, Leiter des RLC CE+, betont: „Voraussetzung für den Beginn der Einlagerung war die Inbetriebnahme des SAP Systems." Denn DORMA hatte sich entschieden, das neue Lager mit SAP LES zu verwalten. „Bisher hatten wir in Ennepetal als Lagerverwaltungssystem viad@t von viastore systems", erläutert Andreas Stade die Entscheidung. „Doch da wir SAP als Unternehmenssoftware schon im Einsatz hatten, wollten wir auch das neue Lager mit dem System verwalten." DORMA versprach sich dadurch eine höhere Durchgängigkeit in den Geschäftsprozessen, wie Bernardweiter begründet: „SAP Software wird für die gesamte DORMA Gruppe eingesetzt. Durch die Einführung von SAP Software im Lager erzielen wir eine durchgängig hohe Transparenz, auch für die anderen Gesellschaften, da wir hier in Wuppertal auch für Niederlassungen in anderen Ländern die Aufträge abwickeln. Diese Niederlassungen können jetzt über SAP Software die Abwicklung ihrer Aufträge verfolgen. „Die einheitlichen Masken und die Mehrsprachigkeit der SAP Dialoge integrieren sie besser in die DORMA Gruppe und schaffen Vertrauen", wie Stade ergänzt.

Lagertechnik und SAP aus einer Hand
Auch für die Implementierung der SAP Software im neuen Lager war viastore systems verantwortlich. „Wir wollten ein System aus einer Hand haben. Deswegen haben wir uns früh entschlossen, mit viastore systems einen GU-Vertrag abzuschließen", so Stade. „Damit hatten wir einen Ansprechpartner, der für die gesamte Anlage und alle dort anfallenden Schnittstellen verantwortlich war. Denn gerade im Softwarebereich ist die Abgrenzung der Leistungen schwierig. Ein dritter Partner, speziell für die Anpassung der SAP Software, hätte die Arbeit somit nur kompliziert."

viastore systems ist langjähriger Special Expertise Partner mySAP SCM (LES) der SAP AG und bietet SAP Applikationen, die speziell auf die Anforderungen von automatischen Lagern zugeschnitten sind. „SAP LES ist eine Standardanwendung", erklärt Norbert Heinrichs, der für das neue Logistikzentrum zuständige Projektmanager von viastore systems. „Als solches bietet es nur eine branchenübergeordnete Dialogführung mit dem Kommissionierprinzip ‚Mann zur Ware'. Das von uns erweiterte SAP LES kann dagegen auch die für automatische Lager erforderliche Kommissionierart ‚Ware zum Mann' abbilden." Darüber hinaus ist die Dialogführung an automatische Prozesse angepasst und aktionsgesteuert. Durch die zertifizierte SAP WM-LSR-Schnittstelle lassen sich die für die Steuerung der Fördertechnik und Regalbediengeräte erforderlichen untergelagerten Systeme problemlos an SAP LES anbinden. Zusätzlich waren aber auch weitere, DORMA-spezifische Funktionen notwendig, denn die Auftragsbearbeitung im Lager hat es in sich:

Acht Lagerbereiche für unterschiedlichste Produkte
„Wir haben bei DORMA die Besonderheit, dass unsere Warenpalette von einer einzelnen kleinen Schraube über schwere Antriebe bis hin zu 6,5 Meter langen Profilen reicht. Auch die Zugriffshäufigkeit ist ganz unterschiedlich", so Stade. Für diese verschiedenen Produkte sind insgesamt acht Lagerbereiche eingerichtet: Zum einen das automatische Kleinteilelager, in das bis zu 50 kg schwere Waren eingelagert werden können – vorausgesetzt, sie passen in die zur Verfügung stehenden Behälter. Daneben werden größere bzw. schwerere Gebinde im Palettenregal bevorratet, in dem die Mitarbeiter mit den viasprint-Regalbediengeräten nach dem Prinzip ‚Mann zur Ware‘ kommissionieren. Zusätzlich wurde in Wuppertal noch ein gesonderter Bereich für schnelldrehende Produkte sowie ein Langgut-Lager eingerichtet. „Es gibt gewisse manuelle Bereiche, die sehr arbeitsintensiv sind. Dort kann der Packvorgang durchaus 15 Minuten dauern", so Joachim Bernard. Auf der anderen Seite sind Waren ausdem automatischen Kleinteilelager (AKL) natürlich wesentlich schneller verfügbar. Und so entsteht ein Problem: Da ein Auftrag Waren aus allen Bereichen beinhalten kann, müssen für ein Versandpaket die Waren aus diesen Bereichen so zusammengeführt werden, dass sie an der Packstation zum gleichen Zeitpunkt eintreffen. Bernard erinnert sich an die Situation vor dem Umzug: „In Ennepetal passierte es häufiger, dass der Packer 30 Minuten warten musste, bis alle für einen Auftrag benötigten Waren an seinem Packplatz waren. Zudem hatten wir keinen Loop, so dass sich die Behälter schnell auf dem Band stauten, wenn der Packer z.B. auf ein Profil warten musste. Das hatte dann auch noch zur Folge, dass der Mitarbeiter, wenn alle Teile endlich vor Ort waren, die Behälter vom Band per Hand wieder an die Packstation geholt hat. Das kostete Arbeitszeit und Kapazität."

AKL mit integriertem Sorter
Um diesen Engpass zu vermeiden, haben viastore systems und DORMA gemeinsam die Idee entwickelt, in das AKL einen Sorter zu integrieren. „Hier hinein laufen alle aus dem Palettenregal kommissionierten Teilaufträge", so Bernard. „Auch die aus dem AKL kommissionierten Teilaufträge werden wieder im AKL eingelagert." Erst wenn auch die zeitintensiven Positionen eines Auftrags auf dem Weg zur Packstation sind, erhält das AKL die Order, die vorkommissionierten Behälter loszuschicken. So erreichen die Packstation sämtliche Einheiten eines Auftrags direkt hintereinander, die Lieferung kann ohne Unterbrechung verpackt werden. „Es ist natürlich relativ unüblich, ein AKL als Sorter zu ‚missbrauchen', aber wir sparen dadurch Fördertechnik", begründet Andreas Stade diese ungewöhnliche Lösung. „Um eine entsprechende Pufferfunktionalität erfüllen zu können, hätten wir ansonsten einen Loop bauen müssen mit einer langen Förderstrecke, auf der die Behälter dann eine halbe Stunde gekreist wären. Mit der Sorter-Lösung werden die Behälter kurz – normalerweise gerade mal für fünf Minuten – im AKL eingelagert." Von den 13.600 Plätzen im AKL sind dafür insgesamt 2.000 Plätze reserviert. Für die Sorterung werden zur Zeit durchschnittlich lediglich 200 Plätze genutzt. Gesortert werden pro Tag jedoch rund 700 Behälter.

Kniffelige SAP Ergänzungen
„Diese Sorter-Lösung musste natürlich auch über die SAP Software abgebildet werden", so Norbert Heinrichs von viastore systems. „Die Zusammenführung der Aufträge und die Zeitpunktsteuerung waren eine kniffelige Aufgabe für uns. Die Kunst lag in der systemtechnischen Entscheidung, wann ein Auftrag freigegeben wird, welches Teil das letzte eines Auftrags ist und bis zu welchem Zeitpunkt gewartet werden muss, um den Auftrag im Sorter freizugeben, damit alle Behälter zeitgleich am Packplatz zusammengeführt werden." Dazu ergänzten die viastore-Programmierer SAP LES durch eine Gatekeeper-Funktion: Sie überwacht, wann welche Transportaufträge aus den verschiedenen Lagerbereichen freigegeben werden. Dabei sind einige Besonderheiten zu beachten: So werden überlange Produkte oder Aufträge, die nur aus einer Position bestehen, vom Palettenlager direkt zur Packstation du rchgeschleust. Daher müssen zunächst Teilaufträge aus dem AKL abkommissioniert werden; sie warten im Sorter dann auf die überlangen Teile und können so zeitnah an die Packstation geschickt werden. Auch die Wahl der richtigen Packstation mussten die viastore-Spezialisten im SAP System hinterlegen, denn je nach Gewicht und Abmessungen werden die Lieferungen bei DORMA über spezielle Packplätze für den Post- oder Speditions-Versand vorbereitet. Zusätzlich existieren besondere Langgut-Packstationen. „Daneben hat viastore systems das SAP System durch eine umfassende Leitstandsfunktion erweitert", ergänzt Andreas Stade. „Hier können wir ständig sehen, welche Auslastung die einzelnen Anlagenteile haben, oder wir können verschiedene Analysen und Statistiken erstellen." All diese Sonderfunktionalitäten wurden so ausgeführt, dass sie release-unabhängig sind und das SAP System somit upgradefähig bleibt.

Für Joachim Bernard ist auch die zusätzlich von viastore systems realisierte Anlagen-Visualisierung ein großer Pluspunkt: „So können wir sofort sehen, wo eine Störung vorliegt, ohne erst lange suchen zu müssen. Unsere Mitarbeiter sind soweit geschult, dass sie kleinere Störungen direkt selbst beheben können. Das spart uns viel Zeit und reduziert eventuelle Stillstände erheblich."

Mit den in der SAP Applikation realisierten Sonderlösungen bietet das Regional Logistics Center Central Europe heute alle Voraussetzungen für effizientere Abläufe in der Logistik und die gleichermaßen schnelle wie präzise Warenlieferung an die Vertriebsorganisationen und Endkunden. „Wir sind sicher, dass wir durch die steigende Lieferflexibilität einen wichtigen Wettbewerbsvorteil erlangt haben", resümiert RLC CE-Chef Bernard.

Ansprechpartner

Herr Daniel Homann

Telefon: (0)5731-68398-41

d.homann@viastore.de