Realisierte WMS-Projekte

Ehrhardt + Partner GmbH & Co. KG

SOA für logistische Prozesse – am Beispiel Meyer Werft

Kunde

Meyer Werft

Fertigstellung

21.10.2008

Land

Deutschland

Branche

  • Metall- u. kunststoffverarbeitende Industrie

Beschreibung

Aufgabenstellung

Die SOA, die serviceorientierte Architektur, ist derzeit in aller
Munde. Nur selten wird allerdings über Anwendungen der SOA in
der Praxis berichtet. Die Papenburger Meyer Werft beispielsweise
hat das wegweisende IT-Konzept bereits seit einigen Jahren
erfolgreich im Einsatz. Der Grundgedanke der SOA ist eine
durchgängige Unterstützung der Geschäftsprozesse durch das
Aufrufen von Softwarebausteinen unterschiedlicher IT-Systeme –
so genannter Services –, die über offene Schnittstellen miteinander
verbunden sind. Diese Services werden bei der Meyer Werft durch
das Lagerverwaltungssystem LFS 400 von Ehrhardt + Partner
sowie das Warenwirtschaftssystem (Eigenprogrammierung der
Werft) bereitgestellt. Die Werft nutzt die Vorteile der SOA, um
sämtliche Geschäftsprozesse über eine in Java programmierte
intelligente Client-Applikation mit grafischer Benutzeroberfläche ITgestützt
abzuwickeln.


Auf einer Werft laufen tagtäglich eine Vielzahl von hochkomplexen
Vorgängen ab. Die SOA ermöglicht hier die Nutzung von einmal
erfassten Daten durch verschiedene Anwendungen und macht so die
Arbeit auf der Werft in allen Bereichen erheblich effizienter. Bei
Prozessen wie dem Verbauen von Materialien in den Kreuzfahrtschiffen
werden von der Client-Applikation nacheinander verschiedene
Bausteine der angebundenen Softwaresysteme aufgerufen, die jeweils
die bereitgestellten Daten verarbeiten. Anschließend melden die
Aktionsbausteine das Ergebnis an die Client-Anwendung zurück. Auf
diese Weise werden sämtliche Geschäftsprozesse vollständig
abgebildet. Die erwähnten Softwarebausteine sind im Fall der Meyer
Werft Module des Lagerverwaltungssystems LFS 400 sowie des eigenprogrammierten Warenwirtschaftssystems. Der Einsatz von
Standardsoftware für die logistischen Prozesse war für die Meyer Werft
einerseits erheblich kostengünstiger als eigene Lösungen, andererseits
muss die Software bestimmten Anforderungen genügen, um in einer
SOA überhaupt funktionieren zu können. „Die Grundvoraussetzungen
für den Einsatz eines Lagerverwaltungssystems in einer SOA sind eine
konsequente Trennung von Business- und Darstellungslogik, eine
Kapselung der einzelnen Funktionen in eigenständige Module – also ein
nichtmonolithischer Aufbau – sowie eine absolute Standardisierung der
Prozesse. Alle drei Voraussetzungen erfüllt unser Lagerführungssystem
LFS 400 optimal. Dies war ausschlaggebend bei der Entscheidung für
unser System“, erläutert Marco Ehrhardt, geschäftsführender
Gesellschafter der Ehrhardt + Partner-Unternehmensgruppe. Der
Bopparder Warehouse-Spezialist kann bereits auf umfangreiche
Erfahrungen und umfassendes Know-how in der Planung und
Umsetzung von SOA-Projekten zurückgreifen.


Die Ausgangssituation
Aufgrund der Komplexität der Prozesse war es der Meyer Werft nicht
möglich, bei der Auswahl des Lagerverwaltungssystems (LVS) auf eine
Standardsoftware zurückzugreifen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die
Werft mit einem eigenprogrammierten LVS von 1984 gearbeitet, das
nach kontinuierlichen Erweiterungen nur noch aufwendig zu warten war.
Selbst ein neues, leistungsstärkeres LVS zu programmieren, war vom
Aufwand her jedoch für die Werft, die Unikate und Kleinserien herstellt,
nicht vertretbar. So entschieden sich die Verantwortlichen, auf die
einzelnen Funktionalitäten eines bereits bestehenden LVS
zurückzugreifen, die Abfolge der Geschäftsprozesse jedoch über eine
individuell entwickelte, intelligente Client-Applikation mit grafischer
Benutzeroberfläche an die speziellen Anforderungen des
Schiffsbauunternehmens anzupassen. Aus diesem Grund integrierten
die IT-Experten der Werft LFS 400, das eigenentwickelte
Warenwirtschaftssystem (WWS) und die Client-Anwendung mittels SOA.

Die SOA in der Anwendung
Sämtliche logistischen Prozesse wurden hierfür von den IT-Spezialisten
von E+P und der Meyer Werft zu so genannten Diensten
zusammengefasst, die bestimmte Prozesse abbilden und unterstützen.
„Jeder Mitarbeiter kann entsprechend seinen Aufgaben auf zwei bis
sieben dieser Programme zugreifen. Die Mitarbeiter wählen in der
Client-Applikation durch Mausklick den entsprechenden Dienst aus und
werden dann vollautomatisch und mit einheitlich aufgebauten Dialogen
durch den jeweiligen Prozess geführt. Das erleichtert die Einarbeitung
der Mitarbeiter natürlich ganz gewaltig“, berichtet IT-Leiter Andreas
Leffers, der das Warehouse-Projekt für die Meyer Werft federführend
verantwortete. Um reibungslose Abläufe in Lager und Produktion zu
gewährleisten, sind insgesamt 14 logistische Services in der SOA der
Meyer Werft im Einsatz, die von LFS 400 bereitgestellt werden. Hierzu
zählen Dienste wie Auftragsbearbeitung im Lagerleitstand,
Bestellverwaltung, Kommissionierung per Datenfunk, Etikettendruck,
Bestandsüberwachung und Qualitätskontrolle. Zwischen der Client-
Applikation und dem Lagerführungssystem LFS 400 findet bei der
Nutzung der Services ein ereignisorientierter Datenaustausch statt. Wird
ein logistischer Prozess vom Nutzer angestoßen, ruft die Client-
Anwendung über eine Schnittstelle den relevanten Aktionsbaustein in
LFS 400 auf und übergibt ihm alle für den Prozess notwendigen Daten.
LFS 400 führt daraufhin die Aktion aus und übermittelt im Anschluss das
Ergebnis an die Client-Applikation. Dieses wird dann bei Bedarf von der
intelligenten Anwendung weiterverarbeitet.


Beispiel: Warenauslagerung für die Fertigung
Deutlich wird dies zum Beispiel an dem Vorgang „Warenauslagerung an
einen bestimmten Zielort“: Werden aus der Fertigung bestimmte
Materialien bzw. Bauteile angefordert, erstellt ein Mitarbeiter aus dem
Bereich Arbeitsvorbereitung in der Client-Applikation ein so genanntes
Arbeitspaket, das die angeforderten Artikel beinhaltet. Sobald der
Mitarbeiter die Erstellung des Arbeitspakets abgeschlossen hat, sendet die Client-Applikation den Datensatz an LFS 400 und löst dort eine
Reservierung des entsprechenden Bestands aus. Zeitgleich übermittelt
LFS 400 an die Client-Software, welche Waren in welchen Mengen an
welchem Lagerort zu entnehmen sind. Im nächsten Schritt übermittelt
die Client-Applikation eine Benachrichtigung über das Arbeitspaket an
eines der Terminals im betreffenden Lager. Der Mitarbeiter dort startet
das Arbeitspaket und bekommt daraufhin von der Client-Applikation
angezeigt, welche Waren er wo in welchen Mengen entnehmen soll. Der
Einfachheit halber gehen wir in diesem Beispiel davon aus, dass der
Kommissionierer in einem manuellen Lagerbereich arbeitet. Nachdem er
die Kommissionierung der Artikel abgeschlossen hat, bestätigt er dies in
der Client-Anwendung. Diese löst daraufhin in LFS 400 eine Buchung im
Bestand aus. Parallel verarbeitet die Client-Applikation diese Information
in ihrem integrierten Transportleitsystem in Form einer Meldung, dass
die angeforderten Waren zur Abholung bereitstehen.


Beispiel: Chargenverfolgung bei Blechen
Ein weiteres Beispiel ist die Schachtelung von Blechen. Im
Lagerbestand befinden sich zahlreiche Bleche mit unterschiedlichen
Abmessungen – beispielsweise: 10 mm dick, 3.000 mm breit und 10.000
mm lang. Aus diesen Blechen werden verschiedene Einzelteile
gebrannt. Der für den Bearbeitungsschritt „Schachteln“ verantwortliche
Mitarbeiter startet den entsprechenden Dienst in der Client-Applikation.
Diese fragt in LFS 400 den Lagerbestand ab und gibt die
zurückgemeldeten Daten über die grafische Benutzeroberfläche wieder.
Der Mitarbeiter sucht anschließend in der Client-Applikation ein oder
mehrere passende Bleche aus, aus denen die Teile gebrannt werden.
Danach wählt er ebenfalls in der Client-Applikation aus einer Stückliste
die zu brennenden Einzelteile aus. Diese Informationen werden dann an
die Software übergeben, die das „Schachteln“ der Schnittmuster mit
möglichst wenig Verschnitt auf die Bleche vornimmt. Das Ergebnis
dieses Schachtelvorgangs ist ein Brennbild in Form eines HPGL-Files
(Hewlett Packard Graphics Language Plotter Files), das unter einer automatisch vergebenen Brennbildnummer auf einem Server archiviert
wird. Diese Brennbildnummer wird an LFS 400 zurückgemeldet, das die
Artikelnummer der entsprechenden Bleche mit der Brennbildnummer
verknüpft. LFS 400 dokumentiert auf diesem Weg, aus welchem Blech
welche Teile gebrannt wurden.


Vereinfachte Systemanwendung
Die SOA macht die Arbeit der Meyer-Werft-Mitarbeiter deutlich einfacher
und effizienter: Anstatt mehrere Dialoge bzw. mehrere Softwareprodukte
einzeln aufzurufen und zu bearbeiten, verwenden die Mitarbeiter für ihre
Eingaben eine einheitliche grafische Benutzeroberfläche, die intuitiv
bedienbar ist. Die Implementierung der SOA hat für die Papenburger
Werft außerdem den Vorteil, dass bei Änderungen der Prozesse nicht
das Lagerverwaltungssystem oder das Warenwirtschaftssystem
angepasst werden müssen, sondern lediglich die Client-Applikation. „Die
notwendige IT-technische Unterstützung der veränderten Prozesse wird
in der SOA durch eine neue Zusammenstellung der bereits vorhandenen
Services realisiert, das spart langfristig Zeit und Kosten“, erläutert Prof.
Dr. Helmut Bollenbacher von der FH Koblenz. „Diese Vorteile kommen
allerdings nur dann vollständig zum Tragen, wenn vor der
Implementierung der SOA eine gründliche Analyse der vorhandenen
Systeme und der Strategie des Unternehmens stattfand. Hier sollten die
Verantwortlichen der Unternehmen mit Fachleuten zusammenarbeiten,
die zukünftige Bedarfe aufgrund langjähriger Erfahrung richtig
einschätzen können.“

Ansprechpartner

Marco Ehrhardt

Geschäftsführender Gesellschafter

Telefon: (+49) 67 42-87 27 0

info@ehrhardt-partner.com