Realisierte WMS-Projekte

TGW Systems Integration GmbH

Logistik im Zeichen des Centaur

Kunde

Rossmann

Fertigstellung

15.05.2007

Land

Deutschland

Branche

  • Einzelhandel

Beschreibung

Aufgabenstellung

Ein äußerst breites und hochwertiges Angebot, bester Service für die Kunden und ein umfangreiches, modernes Filialnetz – das zeichnet Rossmann als eines der führenden Unternehmen im deutschen Drogeriemarkt aus. Über 1200 Filialen in Deutschland und 17.500 verschiedene Artikel erfordern eine ausgeklügelte Logistik. Im neuen Logistikzentrum des Unternehmens in Landsberg leisten Technik und Mitarbeiter einen wesentlichen Beitrag dazu.


Mit dem Logistikzentrum in Landsberg verfolgt Rossmann die Ziele, die Warenverfügbarkeit für die Filialen zu garantieren sowie eingehende Bestellungen schnell und effizient abwickeln zu können. Hierzu dient ein automatisches Hochregallager einerseits und ein halbautomatisches Kommissionierlager andererseits. Miebach Consulting zeichnete für die Planung für dieses Logistikzentrum verantwortlich, TGW für die Realisierung.


Paletten-Nachschublager
Das automatische Paletten-Hochregallager dient der Reservehaltung und Versorgung der Kommissionierzonen bei minimalem Platzbedarf. Sieben schienengebundene Regalbediengeräte übernehmen die Ein- und Auslagerung. Jedes Regalbediengerät ist dazu mit 2 Teleskopgabeln ausgestattet. Diese können in der Lagervorzone zwei Paletten gleichzeitig von der Fördertechnik übernehmen und ins Regal stellen, wodurch sich eine hohe Leistungsfähigkeit ergibt. Um das Lagervolumen optimal auszunutzen, variiert die Lagerstruktur. In 4 Regalzeilen wird auf 22 Ebenen einfachtief gelagert, in 3 Regalzeilen ist eine doppeltiefe Lagerstruktur eingerichtet, die 19 Ebenen in y-Richtung umfasst. Das kompakte Hochregallager mit einer Länge von ca. 100 m und einer Breite von 37 m bietet Platz für 37.000 Paletten.

Paletten-Kommissionierung
Großvolumige Artikel und Waren mit sehr hohem Durchsatz, wie z.B. aktuelle Werbeaktionswaren, werden direkt von Paletten kommissioniert und in Rollcontainern zur Filialbelieferung zusammengestellt. Die leeren Rollcontainer werden dem Kommissionierpersonal über die automatische Förderanlage und einen hochleistungsfähigen Riemenheber auf zwei der drei Kommissionierebenen bereitgestellt. Von dort holt sich jeder Kommissionierer je drei Rollcontainer mit seinem Kommissionierfahrzeug ab und fährt damit durch die Kommissioniergänge, um die entsprechenden Lieferungen zusammenzustellen.
In den Kommissioniergängen werden Warenpaletten in Durchlaufregalen bereitgestellt. Durch die leichte Neigung der mit Röllchenschienen ausgestatteten Regale, rollt die erste Palette an die Kommissionierfront und von hinten kann nachgefüllt werden. Leere Paletten nimmt der Kommissionierer einfach aus dem Fach und gibt sie gleich auf der direkt darunter liegenden Röllchenbahn wieder ab.


Vollautomatischer Palettennachschub
Die Versorgung der Kommissioniergänge mit Waren erfolgt wiederum durch automatische Regalbediengeräte. Vier Geräte kümmern sich um den Warennachschub, die Rücklagerung von angebrochenen Paletten ins Hochregallager und die Entsorgung von Leerpaletten. Dazu ist jedes Regalbediengerät mit zwei Lastaufnahmemitteln ausgestattet. Das erste Lastaufnahmemittel, als schwenkbarer Rollenförderer ausgeführt, übernimmt Warenpaletten von der Fördertechnik und gibt sie am entsprechenden Durchlaufkanal wieder ab. Durch die schwenkbare Ausführung kann er sich exakt an die Neigung des Kanals anpassen und so eine optimale Schonung der Waren garantieren.
Unterhalb des Rollenförderers befindet sich eine Teleskopgabel als zweites Lastaufnahmemittel. Sie nimmt leere Paletten aus den Fächern unterhalb der Durchlaufkanäle und gibt sie in der Vorzone an die Fördertechnik zum Stapeln wieder ab. Durch diese Versorgung der Kanäle mit Waren und der gleichzeitigen Entsorgung der Leerpaletten wird eine äußerst hohe Verfügbarkeit der Waren erzielt.


Elektrohängebahn-System
Die zentrale Anbindung aller Bereiche erfolgt über eine hoch leistungsfähige Elektrohängebahn (EHB). Die EHB im Rossmann-Distributionszentrum verfügt über 32 einzelne Fahrzeuge, die jeweils mit einem eigenen Antrieb versehen sind. Hängend an einer 440 m langen und an der Decke verlaufenden Schiene bewegen sie sich einzeln mit jeweils einer Palette durch weite Teile des Zentrums und verbinden dabei den Wareneingang mit dem Hochregallager und der Palettenkommissionierung. Bis zu 400 Paletten werden von diesem System pro Stunde an die richtige Stelle transportiert.


Behälter-Kommissionierung
Artikel mit geringem Durchsatzvolumen bis hin zu Einzellieferungen sind nicht dazu geeignet, von ganzen Paletten kommissioniert zu werden. Aus diesem Grund wird die Eingangsladung in der Rüsterei von der Palette in Lagerbehälter umgepackt. Das ist notwendig, um in den Kommissionierbereichen ein möglichst großes Artikelspektrum auf kleinem Raum konzentrieren zu können. Über die Hochleistungsfördertechnik erfolgt der Weitertransport der umgepackten Waren in das automatische Kleinteilelager (AKL). Dabei werden immer zwei große oder 4 kleine Behälter mit dem gleichen Inhalt als ‚Behälter-Zug’ zusammengehalten. Kommissioniert wird zwischen den Regalgassen.


Rüsterei
Die Rüsterei verfügt über insgesamt 20 teilautomatische Umpackplätze auf einer Ebene. Mit Hubameisen bringen die Mitarbeiter die Paletten an den jeweiligen Umpackplatz und stellen sie dort auf einen Hubtisch. Am Arbeitsplatz kann der Mitarbeiter nun die Höhe der Palette so anpassen, dass er ohne mühsames Bücken und Heben die Waren von der Palette in die vor ihm bereitgestellten Behälter geben kann.
Zwei verschieden große, rote Lagerbehälter stehen im System zur Verfügung. Den Mitarbeitern wird automatisch der Behälter bereitgestellt, der für den entsprechenden Artikel vorgesehen ist. Der größere Behälter hat eine Grundfläche von 600 x 400 mm, der kleinere ist mit 400 x 300 mm genau halb so groß. Beide Behältertypen verfügen an der Stirnfront über eine Ausnehmung, wodurch das Eingreifen beim Kommissioniervorgang erleichtert wird.


Behälterfördersystem
Bis zu 2000 Behälter pro Stunde bewältigt das TGW Fördersystem. Über mehrere Ebenen verbindet es die Rüsterei mit den neun Gassen des automatischen Kleinteilelagers, den Weiterreichsystemen im Neubau und im Altbau, sowie den Endstellen für den Warenausgang. Die besondere Herausforderung in der Realisierung dieses Systems bestand im teilweise gemischten Transport von Auftragsbehältern und den beiden unterschiedlichen Größen der Lagerbehälter. Die kleinen Lagerbehälter werden im neuen System in Querrichtung transportiert, vor der Übergabe an das Fördersystem des bestehenden Weiterreichsystems müssen sie allerdings um 90° in Längsrichtung gedreht werden.


Automatisches Kleinteilelager
Das automatische Kleinteilelager (AKL) erfüllt zwei Funktionen; Einerseits fungiert es als Pufferlager zwischen dem Wareneingang bzw. der Rüsterei und dem Kommissioniersystem, andererseits sorgt es für die permanente Beschickung der Kommissionierarbeitsplätze mit Waren.
Vier 15 m hohe TGW Regalbediengeräte des Typs Stratus versorgen die 22760 Stellfächer des Pufferlagers, die jeweils zwei große oder vier kleine Behälter fassen. Jedes dieser Geräte ist mit zwei Lastaufnahmemitteln des Typs Kombiteleskop C ausgestattet, die nebeneinander angebracht sind. Jedes dieser Teleskope kann zwei große oder vier kleine Lagerbehälter gleichzeitig aufnehmen. Nachdem die Behälter aus der Rüsterei immer in sortenreinen Zügen kommen, können sie auch hier ohne Sortierprozesse ein- und ausgelagert werden, wodurch sich die Durchsatzleistung wesentlich erhöht.
Die restlichen fünf Stratus Regalbediengeräte entsprechen technisch exakt den vorher beschriebenen Geräten, versorgen allerdings das neue Kommissioniersystem. Entlang der Lagergassen befinden sich dazu Durchlaufkanäle, die von hinten durch die Regalbediengeräte mit Warenbehältern versorgt werden, wiederum jeder Kanal mit einem Zug aus Behältern des selben Inhalts. Von vorne entnehmen die Kommissioniermitarbeiter die benötigten Waren und stellen sie zu Filialkommissionen zusammen.


Kommissionierung im neuen Weiterreichsystem
Als Auftragsbehälter kommen im Rossmann Distributionszentrum graue Klappboxen mit 600 x 400 mm Grundfläche zum Einsatz. Diese Behälter eignen sich für die Belieferung der Filialen besonders gut, weil sie in leerem Zustand zusammengelegt und damit äußerst Platz sparend transportiert und gelagert werden können. Für die Verwendung im Weiterreichsystem müssen sie allerdings wieder aufgerichtet werden, was von einer Maschine automatisch erledigt wird. Bis zu 600 Behälter pro Stunde werden von diesem Gerät zur Verfügung gestellt, mit einem Barcode-Etikett identifiziert, einer Filialbestellung zugeordnet, mit einer Kommissionierliste versehen und an die weitere Fördertechnik übergeben.
Das Fördersystem, das in diesem Bereich auf eine Leistung von 1200 Behältern pro Stunde ausgelegt ist, versorgt nun die 36 Kommissionierbahnhöfe in den zwei Ebenen des Weiterreichsystems automatisch mit den benötigten Auftragsbehältern. Sobald ein Behälter einen Kommissionierbereich erreicht, aus dem er Waren für seine Filiale erhalten soll, wird er von der Hauptstrecke auf die parallel dazu verlaufende Rollenbahn des Bahnhofs ausgeschleust. Der Kommissionierer an diesem Bahnhof erhält über pick-by-light Anzeigen die Information, aus welchem Warenbehälter er welche Anzahl an Artikeln benötigt. Sobald der Auftragsbehälter alle Waren aus diesem Bereich erhalten hat, wird er vom Kommissionierer wieder auf die Hauptförderstrecke geschoben und automatisch an den nächsten anzulaufenden Bahnhof weitergereicht. Wesentlicher Vorteil dieser Kommissioniermethode sind die geringen Wegzeiten der Kommissionierer und der optimierte Platzbedarf.


Warenausgang
Die Belieferung der Rossmann Filialen erfolgt mit Rollcontainern. Deshalb müssen in den beiden Warenausgangsbereichen im Alt- und im Neubau jeweils bis zu 1200 Auftragsbehälter pro Stunde in Rollcontainer geschlichtet werden. Die so eingeräumten Rollcontainer werden zusammen mit den Rollcontainern aus der Palettenkommissionierung zur LKW-Beladung bereitgestellt. Durchschnittlich 7000 Rollcontainer verlassen das Rossmann Distributionszentrum täglich und werden zeitgerecht im gesamten Bundesgebiet verteilt.