Realisierte WMS-Projekte
Westfalia Logistics Solutions Europe GmbH & Co. KG

Privat-Brauerei Reissdorf - Satellitenlager mit Pärchentransport
Kunde
Privat-Brauerei Heinrich Reissdorf GmbH & Co KG
Fertigstellung
02.03.2009
Land
Deutschland
Branche
- Getränke
Beschreibung
Aufgabenstellung
Westfalia realisiert Satellitenlager mit Pärchentransport für Privat-Brauerei Reissdorf und erweitert die Anlage bei laufendem Betrieb um mehr als ein Drittel.
Kontinuierlich mit Sinn fürs Wesentliche wächst die Kölner Privat-Brauerei Heinrich Reissdorf seit über 100 Jahren. Zum logistischen Rückrad der Expansion gehört ein automatisches Satellitenlager. Gerade haben die Ingenieure und Software-Entwickler von Westfalia das 2003 erbaute System mit ca. 3.400 Stellplätzen und besonderer Fördertechnik bei laufendem Betrieb um mehr als ein Drittel auf über 5.000 Stellplätze erweitert. Als Planer verantwortete die Herforder Firma IBH Schepper das Projekt.
Brauerei Reissdorf: 110 Jahre Kölsch-Tradition
Heinrich Reißdorf gründete 1894 die Obergärige Brauerei Heinrich Reißdorf. Einige Jahre später etablierte sich „Kölsch“ als Name für obergärige Kölner Biere. Im Kriegsjahr 1917 leitete Katharina, Friedrichs Frau, die Brauerei. Das Ehepaar hatte drei Söhne, darunter die Ende der 1990er Jahre verstorbenen Gesellschafter Hermann-Josef und Karl-Heinz Reissdorf. Die Brüder bauten das im Krieg fast völlig zerstörte Unternehmen ab 1945 wieder auf. Kontinuität und Sinn fürs Notwendige ermöglichen der Privat-Brauerei Reissdorf über 110 Jahren Unabhängigkeit und Erfolg. Heute führt Michael von Rieff als Geschf.Gesellschafter das Familienunternehmen in vierter Generation. Reissdorf verkauft neben klassischem Kölsch in Flaschen, Dosen oder Fässern auch eine Spirituose, sogenannten Kölsch-Bierbrand. Das Unternehmen verzichtet bewusst auf TV- und Radio-Werbung. Die Investitionen in eine effiziente und praktische Intralogistik unterstützen die nachhaltige Expansion.
Umzug ins Industriegebiet und Bau des Hochregallagers
Aufgrund jahrzehntelanger kontinuierlicher Expansion verlagerte die Privat-Brauerei Reissdorf die Firma 1998 vom Stammhaus im Severinsviertel nach Köln- Rodenkirchen in das Gewerbegebiet. Auf dem neuen Gelände baute Reissdorf eine Brauerei mit modernster Technologie. Die neue Infrastruktur half Reissdorf, im vergangenen Jahr als Marktführer über 650.000 Hektoliter Kölsch zu verkaufen.
Satellitenlager mit Pärchentransport
Zur Erhöhung von Kapazität, Leistung, Sicherheit und Verfügbarkeit realisierte Westfalia am neuen Standort bereits 2003 ein automatisches Hochregallager (HRL) in Silobauweise. 2008 erweiterten die Borgholzhausener Ingenieure und Software-Entwickler dieses Satelliten-Kompaktlager in wenigen Wochen bei laufendem Betrieb. Das Satellitenlager bewahrt palettierte Brauwaren und Leerpaletten bis zu achtfach tief in Kanälen auf. Es läuft bei Normaltemperatur und dient als Distributionspuffer für Kölsch-Flaschen (0,33 und 0,5 Liter) und Keck-Fässer auf Europaletten. Seine kompakte Bauweise integriert sich raumsparend in die Produktion. Das HRL hat zwei Blöcke, ist über 25 Meter hoch, etwa 20 Meter breit und seit der Erweiterung über 50 Meter lang. Zwei Regalbediengeräte (RBG) durchfahren eine Gasse. „Die RBGs fahren sogar Doppeltransporte mit zwei Paletten (Pärchentransport). Die Kombination von Kompaktbau mit einer RBG-Gasse und Pärchentransport ermöglicht hohen Durchsatz auf kleinem Raum. Denn zusätzliche RBGs würden mehr Gassen und mehr Platz benötigen sowie Bau- und Betriebskosten in die Höhe treiben“, erläutert Frank Wüstenfeld, Projektverantwortlicher von Westfalia. „Mit dem Satellitenlager bedienen wir Nachfragespitzen durch Karneval oder Fussballevents sehr effektiv. Westfalia hat unsere Anlage letztes Jahr bei laufendem Betrieb erweitert“, so Werner Kraus, Technischer Betriebsleiter bei der Privat-Brauerei Reissdorf.
Erweiterung bei laufendem Betrieb
Westfalia hat die Kapazität der Reissdorf-Anlage letztes Jahr um mehr als ein Drittel deutlich erhöht. Das ursprüngliche Satellitenlager hatte etwa 3.400 Stellplätze. Durch die Erweiterung kamen über 1.600 Stellplätze und zwei Abgabeplätze dazu.
Frank Wüstenfeld, Gebietsleiter Nord und Experte für Getränkelogistik bei Westfalia: „Unsere Ingenieure haben bei Reissdorf im laufenden Betrieb die Ummantelung des HRL-Silos abgenommen, die Erweiterungen vorgenommen und die Ummantelung dann wieder angebracht. Das alles geschah in weniger als zwei Monaten.“ Dabei hat Westfalia auch die ins HRL integrierten Bereitstellbahnen ergänzt. Zwei QTWs entsorgen dynamisch die in den Stahlbau integrierten Bereitstellbahnen. Gemäß der Lkw-Verladung verteilen sie die Waren auf angegliederte Fördertechnik (Verladerüssel). Hier holen Staplerfahrer die Waren ab. Entsprechende Paletteninformationen zeigen ihnen Stapler-Terminals an.
Verfahrwagen mit induktiver Stromversorgung
Zwei Wareneingänge mit Fördertechnik und ein langer, vor dem HRL installierter Fördertechnik-Loop bilden die Schnittstelle zwischen Produktion und Lager. Das HRL wird mit Kölsch aus den Produktionsbereichen Flaschenabfüllung (Flaschenkeller) und Fassabfüllung bestückt. Der Materialfluss aus der Produktion erfolgt vollautomatisch über Fördertechnik und einen speziellen schienenlosen, flurfreien QTW mit induktiver Stromversorgung. Der QTW durchfährt die Halle zwischen Versand und Produktion parallel zum HRL an dessen Stirnseite. Seine Fahrstrecke trennt die beiden Bereiche. Dank der Flurfreiheit der Verfahrstrecke können Stapler oder Handhubwagen die QTW-Strecke an zwei Stellen zügig kreuzen. „Der Verfahrwagen wird ohne Kabel mit Strom versorgt. Wir haben eine Stromschiene direkt in den Hallenboden integriert. Das schafft Flexibilität für die Fläche,“ so Frank Wüstenfeld von Westfalia.
Pufferung und Einlagerung über Fördertechnik-Loop
Der Verfahrwagen bringt palettierte Waren zum Fördertechnik-Loop vor dem HRL. Der Loop puffert Waren, die nicht sofort eingelagert werden. Er besteht aus einer längeren Fördertechnik, die auf unterschiedlichen Niveaus im Kreis fährt. Darüber hinaus verfügt die Pufferstrecke über so genannte Entscheidungsstellen mit besonderen Barcode-Scannern. Die Entscheidungsstellen hat die Firma Leuze electronic bestückt. „Wir haben bei Reissdorf vier Barcodeleser der Baureihe BCL 500i übereinander angebracht. Diese innovativen Barcodelesegeräte verfügen über eine Variante mit Schwenkspiegel, die durch ihr großes Lesefeld, Barcodes auch an Stellen lesen kann, die für andere Barcodeleser unerreichbar wären.
So gelingt dem Lesesystem nicht nur eine schnelle, sichere und automatische Decodierung des Barcodes mit Informationen wie z. B. Haltbarkeitsdaten, sondern auch eine Positionsangabe, die besagt wo sich der Barcode auf dem Objekt befindet.
Das Lesesystem unterstützt die Westfalia-Logistiksoftware bei der Berechnung der Lagerstrategie und reduziert Fehler beim Einlesen der Barcodes", so Jörg Wachlinger, Projektverantwortlicher von Leuze electronic. Der Fördertechnik-Loop bringt die Waren dann automatisch zu den zwei HRL-Eingängen, wo eines der beiden RBGs sie übernimmt.
Stapler mit Dreifachaufnahme im Warenausgang
Auf Seiten der Lkw-Verladehalle sind über 30 Bereitstellbahnen aus Stetigförderern mit Kettenantrieb in die unterste HRL-Ebene integriert. Die Bahnen werden nach Tourenreihenfolge und Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) vom RBG mit Waren bestückt. Bei der Erweiterung installierte Westfalia hier zusätzliche Bahnen. Eine Bahn kann bis zu fünf Paletten zwischenlagern. Die RBGs übergeben beim Auslagerprozess für die Distribution bestimmte Paletten direkt den Bereitstellbahnen. So können über 150 Paletten gleichzeitig automatisch bereitgestellt werden (bis zu fünf komplette Lkw-Touren mit bis zu 30 Paletten). Die Entsorgung der Bereitstellbahnen erledigen zwei QTWs, die auf einer Fahrschiene am HRL entlangfahren. Den zweiten QTW installierte Westfalia im Rahmen der Erweiterung. Die QTWs bringen die bestückten Paletten von den Bereitstellbahnen an sechs Abgabeplätze. Die Abgabeplätze bestehen aus einem sogenannten Verladerüssel mit Fördertechnik, einem Drehtisch sowie einem Abgabebereich für drei längs gereihte Paletten. Zwei Abgabeplätze ergänzte Westfalia bei der Erweiterung. Neben der Bereitstellung im korrekten Winkel optimieren die Drehtische auch den Raum für die Palettenaufnahme. Dadurch können mehrere Stapler gleichzeitig Lkws beladen.
Die Reissdorf-Stapler verfügen über eine besondere Dreier-Gabel. Im Simultantransport bringen sie drei beladene Paletten auf einmal von den Abgabeplätzen zum vorgesehenen Lkw. Dadurch können mehrere Lkws mit bis zu 30 Paletten in je 10 Staplerfahrten gleichzeitig bestückt werden.
Das ermöglicht besonders in Spitzenzeiten einen schnellen Warenumschlag. „In der Regel ordnen wir zwei Abgabeplätze einer Lkw-Tour zu. Über sechs Abgabeplätze beladen wir bis zu drei Lkw-Touren parallel per Stapler mit Dreifachaufnahme“, erläutert Werner Kraus.
Logistiksoftware und Leergutrückgabe
Spezielle Logistiksoftware steuert das System und ermöglicht einen effizienten Datenaustausch mit dem Reissdorf ERP-System. Die Software beachtet bei ihren Umschlagsstrategien zur Ein- und Auslagerung jeweils das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) des Kölsch nach dem First-in-first-out-Prinzip (Fifo). Außerdem sorgt sie dafür, dass das HRL die effektive Abarbeitung der Touren über die integrierten Bereitstellbahnen erledigt. Sie verwaltet darüber hinaus ein manuell betriebenes Blocklager und vernetzt den gesamten Logistikprozess. Die Reissdorf-Logistiker verwalten die gesamte Anlage über ein I-Punkt-Office. Stapler-Terminals ermöglichen darüber hinaus eine effektive Schnittstelle zwischen manuellem Handling und Automatiklager.
Das Logistiksystem erledigt auch die Rückgabe des Flaschen- und Fässer-Leergutes. Lkws bringen das Leergut in die Verladehalle. Hier übernehmen es Stapler und transportieren die Flaschen und Fässer manuell zu einer Leergut-Waschanlage im Produktionsbereich. Die Stapler überqueren die flurfreie Strecke des Verfahrwagens mit induktiver Stromversorgung zwischen HRL und Produktion. Sie bringen das gewaschene Leergut zu einem Förderer. Die Fördertechnik transportiert das Leergut dann in den Abfüllbereich. Im Abfüllbereich schließt sich dann der Kreislauf des Reissdorf-Logistiksystems.

































































































