Realisierte WMS-Projekte

TGW Systems Integration GmbH

Effizienz für Aesculap

Kunde

Aesculap AG

Fertigstellung

01.08.2008

Land

Deutschland

Branche

  • Health Care

Beschreibung

Aufgabenstellung

Schonendes, hocheffizientes Warenhandling für sensible medizinische Ware stellt die Lagertechnik im neuen Logistikzentrum des süddeutschen Medizintechnik-Herstellers sicher. Ergonomische Kommissionierplätze steigern die Leistung, die Anlage ist bereit für eine Ausweitung der Kapazität.

Die Aesculap AG in Tuttlingen sah sich 2006 vor der Herausforderung, ihre Intralogistik an die  Anforderungen der Zukunft anzupassen. Gemeinsam mit TGW Systems Integration wurde ein  Logistiksystem implementiert, das mittels modernster Technologie die Anforderungen optimal abdeckt und Reserven und Erweiterungsmöglichkeiten für weitere Kapazitätssteigerungen bietet. Produkte und
Dienstleistungen für alle chirurgischen Kernprozesse stehen im Fokus von Aesculap, einer Sparte der B.Braun Melsungen AG. Das Produktspektrum des Unternehmens reicht von chirurgischen Instrumenten
für offene oder minimal-invasive operative Eingriffe, über Implantate für Orthopädie, Neuro- oder Wirbelsäulenchirurgie, sterile Container, Geräte und Navigationssysteme bis hin zu Produkten
im Bereich der Kardiologie. Das bisherige Logistikzentrum der Aesculap AG im Zentrum von Tuttlingen war historisch gewachsen und hatte seit der Inbetriebnahme im Jahr 1989 sehr bedeutende lager-
und abwicklungstechnische Veränderungen sowie Erweiterungen erfahren.
Die Kapazitäten waren 2006 allerdings an ihre Grenzen gestoßen und die Strategie 2010 des Unternehmens sah ein deutliches Wachstum vor, sodass für die Abwicklung der zukünftigen Logistik eine Erweiterung der Lagerkapazität notwendig wurde. Infolgedessen erarbeitete Aesculap
gemeinsam mit dem Beraterteam von Dr. Thomas und Partner ein Logistikkonzept, das die Weiternutzung des bisherigen Logistikgebäudes im Werksgelände sowie den Neubau einer Logistikhalle
auf dem fi rmeneigenen Gelände beinhaltete.

»Die neue Lösung musste auf 2500 Lieferungen täglich ausgelegt werden «, erinnert sich Bernd Hermle, Logistikleiter bei Aesculap. »Wobei die Auftragsgrößen sehr unterschiedlich sein können. Kleinstaufträge umfassen nur einen Artikel, Großaufträge können bis zur Neuausstattung ganzer  Krankenhausabteilungen mit entsprechend vielen Auftragspositionen gehen.« Um die geplanten Kapazitäten zu erreichen, wurde die Kommissionierleistung mit 13 000 Picks pro Zehn-Stunden-Tag defi niert. Für eine weitere Kapazitätsausweitung zu einem späteren Zeitpunkt wurde bereits in der Planung eine modulare Erweiterung der Lösung und damit der Kommissionierleistung vorgesehen.

»Blaulichtfahrten« bestimmen Auftragsdurchlaufzeit

Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass Aufträge mit hoher Priorität innerhalb kürzester Zeit abgewickelt werden. »Für unsere Kunden ist es enorm wichtig, dass alle Auftragseingänge mit Priorität 1, die bis 16:45 Uhr bestellt werden, noch am selben Tag bis 17:30 Uhr das Haus verlassen«, erklärt Hermle. Eine noch kürzere Auftragsdurchlaufzeit ist für »Blaulichtfahrten« erforderlich, also Direktabholungen von dringend benötigtem Operationsmaterial durch Einsatzfahrzeuge.
Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen müssen medizinische Produkte einer exakten Chargenverfolgung unterzogen werden – so auch bei Aesculap. Außerdem machte die Warenbeschaffenheit ein äußerst schonendes Handling erforderlich. »Unsere Waren sind sehr sensibel und teilweise steril verpackt«, erklärt Herr Hermle. »Deshalb ist es gerade bei den häufi g spitzen Instrumenten extrem wichtig, die Verpackung in keinem Fall zu beschädigen.«

Wareneingang, AKL,Kommissionierung – eng verknüpft

TGW Systems Integration setzte in der Lösung der Anforderungen auf eine Erhöhung der Kommissionierleistung pro Mitarbeiter und Fehlerminimierung durch »Put-To- Light«-Unterstützung am Arbeitsplatz sowie Einsparungen an Weg- und Suchzeiten durch das »Ware-zum-Mann«-Prinzip.  Bereits am Wareneingangsplatz werden die Voraussetzungen für die spätere Kommissionierleistung
geschaffen. Am Arbeitsplatz hat der Mitarbeiter immer einen Vorrat von allen drei im automatischen
Kleinteile-Lager (AKL) geführten Behälterhöhen, die in bis zu acht Sektoren unterteilt sind. Wird in einem sektorierten Behälter am Kommissionierplatz ein Sektor frei, so wird dieser direkt beim Wareneingang ausgeschleust und mit neuer, in diesen Sektor passender Ware aufgefüllt.

Über einen Verteilerloop komm er dann wieder zurück ins AKL oder direkt zu den Kommissionierplätzen. Das AKL ist auf eine Leistung von 1365 Doppelspielen pro Stunde ausgelegt und verfügt über 51 240  Behälterstellplätze.

In drei Lagergassen werden die sehr leistungsfähigen Mustang-Regalbediengeräte von TGW  eingesetzt, die insgesamt 38 630 Stellplätze in doppeltiefer Lagerstruktur versorgen. In diesen drei Gassen werden alle C-Artikel in direktem Zugriff gehalten und von hier aus zur Kommissionierung ausgelagert. Darüber hinaus fungieren diese drei Gassen als Nachschublager für A- und B-Artikel.
Die sechs weiteren realisierten AKL-Gassen sind mit je einem TGW-Regalbediengerät Booster  ausgestattet. Dieser Regalbediengerätetyp ist mit fünf Metern Höhe relativ klein, dadurch aber äußerst leicht, dynamisch und kostengünstig, wodurch er für den sehr schnellen Kommissioniernachschub
optimal geeignet ist. Jeweils drei dieser Gassen befi nden sich übereinander, sodass die beiden Blöcke zwischen den drei Mustang-Gassen angeordnet werden konnten. In diesen beiden Blöcken stehen die A- und B-Artikel in direktem Zugriff für die Kommissionierung und werden auf 12 600 Stellplätzen in einfachtiefer Lagerstruktur verwaltet. »Die Kommissionierung haben wir in drei Bereiche gegliedert« erklärt Bernd Hermle. Für die Kommissionierung der rund 200 Top-A-Artikel stehen beispielsweise drei Arbeitsplätze zur Verfügung, an die vom Lagerverwaltungssystem die Auftragsbehälter automatisch zugesteuert werden. Der Mitarbeiter wird mittels Mobiler Datenerfassungseinheit zu den  Fachbodenplätzen dirigiert. Je nach Anzahl der angemeldeten Mitarbeiter steuert das LVS auch die Größe des abzudeckenden Kommissionierbereiches, sodass der gesamte Vorgang immer optimiert wird.

Ergonomische Kommissionierplätze für hohe Pick-Leistung

Für die 20 500 Artikel des A-, B- und C-Sortiments, die rund 70 Prozent der gesamten  Kommissionierleistung ausmachen, werden acht hoch ergonomische Kommissionierarbeitsplätze eingesetzt. Jeder Kommissionierplatz besteht aus zwei Zuführbahnen für Behälter aus dem AKL, einer Abförderbahn für Behälter, die ins AKL zurückgehen, einer ansteigenden Abförderbahn für  Auftragsbehälter, zwei Pufferbahnen in Kopfhöhe für Nachschub von leeren Auftragsbehältern und acht Pick-To-Light-Plätzen. »Die gesamte Fördertechnik wurde so errichtet, dass eine spätere Erweiterung ohne große Unterbrechungen oder gar Stillstände erfolgen kann. Auch die Anzahl der Arbeitsplätze können wir modular um drei weitere auf elf gleiche Plätze erweitert werden«, ergänzt Hermle. Die restlichen zehn Prozent der Kommissionierleistung entfallen auf rund 700 Artikel, die aus  dem Hochregallager mit Schmalgangstaplern in einem zweistufi gen Verfahren kommissioniert werden.

In der ersten Stufe werden mehrere  Aufträge pro Fahrt auf Paletten gesammelt, erst im zweiten Schritt erfolgt die Aufteilung auf Auftragsbehälter.

Auftragskonsolidierung in Hochleistungs-AKL-Gasse

Eine Besonderheit der Intralogisiklösung von Aesculap ist die Auftragskonsolidierung, in der alle  Aufträge bearbeitet werden, die aufgrund ihrer Größe auf mehrere Behälter aufgeteilt sind oder Waren aus verschiedenen Kommissionierbereichen beinhalten. Dazu werden alle betroffenen Auftragsbehälter vollautomatisiert in einer AKL-Gasse gesammelt, die von einem Booster-Regalbediengerät versorgt wird.
Sobald alle Behälter eines Auftrages in diesem Hochleistungspuffer zur Verfügung stehen, werden sie automatisch ausgelagert, auf Rollenbahnen bereitgestellt, von dort manuell entnommen und die Waren versandfertig gemacht. Kleinaufträge gehen direkt von der Kommissionierung in den Kleinversand. Dort  stehen zwölf Arbeitsplätze zur Verfügung, an denen die Verpackung und der Versand durchgeführt werden.

Die Verwaltung aller Bestände, die Steuerung der Ein- und Auslagerfunktionen, die Warenwirtschaftsfunktionen, die Inventur sowie die Materialfluss-Steuerung werden in der Supply Chain Software CI_LOG von TGW Systems Integration abgebildet, die Gelbe Lager- und rote  Auftragsbehälter werden am Loop zwischen Wareneingang, AKL und Kommissionierung befördert.
Kühl- und Tiefkühlräume schlüsselfertige Bauten Bananenreifeanlagen CA + ULO Obstlagerräume

Über eine defi nierte Schnittstelle zwischen dem SAP und CI_LOG werden alle Transfers zwischen den Systemen ausgeführt. SAP übernimmt im Warehouse Management (WM) eine summarische  Bestandsführung für alle Materialien im Lager, das heißt alle Lagerbereiche wie das AKL, das manuelle Palettenlager und das manuelle Schnelldreherlager sind SAP nicht bekannt und werden als Blackbox
abgebildet. CI_LOG übernimmt als untergeordnetes LVS sämtliche Aufgaben der Lagersteuerung, wie etwa die Bestandsund Ladehilfsmittelverwaltung in allen Lagerbereichen, Stammdaten und Bestände
aller LEs und sämtliche Funktionen an den Arbeitsplätzen (Wareneingang, Kommissionierung und Auftragszusammenführung).

Durch das neue Intralogistiksystem konnte Aesculap wesentliche Vorteile gegenüber der bisherigen  Lösung generieren. »Durch das ergonomische und übersichtliche Arbeiten an den  AKL-Kommissionierplätzen konnten wir die Fehlerquoten minimieren und gleichzeitig höhere Leistungen erzielen. Die maßgeschneiderte Lösung im A-, B-, C-Spektrum führte darüber hinaus zu beträchtlichen Kosteneinsparungen, einer Minimierung der  Durchlaufzeiten und einer Reduktion der verbauten  Fläche«, fasst Hermle zusammen.

Gleichzeitig wurden durch die Kapazitätsausweitung und die Steigerung der Produktivität die  Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen.