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Premiere des Dematic Multishuttle Move in Offenbach
10.06.2010
Autonome FTF-Schwärme lösen traditionelle Fördertechnik ab
Dematic und Fraunhofer IML stellen die Zukunft der Intralogistik vor. Eine neue Generation von automatischen Fahrzeugen, das Dematic Multishuttle Move, stellten Dematic und das Fraunhofer IML anlässlich der Eröffnung des Dematic-Kunden- und TechnologieCenters im Juni in Offenbach erstmals der Öffentlichkeit vor. Die Neuentwicklung soll in Zukunft klassische Fördertechnik und Regalbediengeräte überflüssig machen.
Das Dematic Multishuttle Move deckt sowohl die Lager- als auch die innerbetrieblichen Transportprozesse funktional ab. Im Gegensatz zu allen bisher erhältlichen Systemen benötigt es jedoch keine Fördertechnik mehr. Als ein Schwarm autonomer Fahrzeuge kann das Multishuttle Move unabhängig in verschiedenen Lagergassen und -ebenen oder Anlagenbereichen, wie Lager oder Kommissionierung, arbeiten beziehungsweise diese verbinden. Die Fahrzeuge bewegen sich frei in der Halle und fahren praktisch überall: unter den Regalen, in den Kommissioniergassen, im Wareneingang oder im Warenausgang. Sie steuern ihre Ziele direkt an und sind nicht mehr einer starren Linienführung unterworfen, was laut Anbieter Wegeinsparungen im zweistelligen Prozentbereich bedeutet.
Das Fahrzeug basiert weitgehend auf den Komponenten des regalgebundenen Dematic Multishuttle, welches 2004 mit dem VDI-Innovationspreis ausgezeichnet wurde. Neu sind die Verfahren der Lokalisierung und Kommunikation der Shuttles untereinander sowie das Energiekonzept und -management. Mithilfe einer agentenbasierten Software arbeiten die Fahrzeuge selbsttätig mit dem Lift zusammen und koordinieren sich untereinander. Das Gesamtsystem ist damit in der Lage, seine Kapazitäten etwa an saisonale oder Tagesschwankungen aber auch veränderte Auftrags-, Kunden- oder Artikelstrukturen anzupassen sowie Leistung zwischen dem Lager- und Transportprozess und den einzelnen Teilbereichen, wie den Regalgassen, beliebig zu verschieben.
Die Systemleistung ist über die Fahrzeuganzahl, welche für eine hohe Redundanz und somit eine sehr hohe Systemverfügbarkeit verantwortlich ist, skalierbar. Spätere Erweiterungen oder Layoutanpassungen lassen sich ohne großen Aufwand realisieren, da die Shuttles selbstständig ihre Fahrwege anpassen und sich so auf geänderte Bedingungen einstellen. Durchweg Eigenschaften, die den Forderungen der Wirtschaft nach mehr Flexibilität in der Intralogistik entgegenkommen. Die Tage, in denen es noch billiger war, ein komplettes Materialflusssystem abzureißen als für eine neue Aufgabe umzubauen, könnten damit bald der Vergangenheit angehören.
Während sich das Dematic Multishuttle als Puffer- und Konsolidierungslager etwa für die Lebensmittelbranche mit ihren hohen Leistungsanforderungen durchgesetzt hat, ist das Multishuttle Move für Branchen mit hohen Lagerkapazitäten und den mittleren Leistungsbereich konzipiert (zum Beispiel Medizintechnik oder Metallwarenindustrie). Schwärme des Multishuttle Move sollen künftig herkömmliche Regalbedien- und Fördertechniklösungen ersetzen und die Ware auf direktem Weg zum Ziel bringen.
„Das Multishuttle Move ist weit mehr als eine neue Fahrzeuggeneration, für viele Anwendungsfälle haben wir damit eine komplett neue Intralogistik," sagt Prof. Dr. Michael ten Hompel, Geschäftsführender Institutsleiter des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML und gewissermaßen der Vater der Zellularen Intralogistik. „Die klassische Technik für Anlagen mittlerer Leistung steht damit auf dem Prüfstand, denn Systeme mit dem Multishuttle Move sind flexibler, skalierbarer und nicht zuletzt durch ihre hohe Energieeffizienz vor allem wirtschaftlicher", urteilt Uwe Geissinger CEO Dematic Central Europe.
Für die Multishuttle-Schwärme, die zukünftig die Intralogistik erobern sollen, wurde mit der »Zellularen Intralogistik« auch ein neuer Name gefunden. Er soll zum Ausdruck bringen, dass die einzelnen Multishuttles wie die Zellen in einem organischen System zusammenwirken.
In dem anspruchsvollen Zukunftsprojekt fanden sich mit dem Fraunhofer IML das weltweit führende Logistikinstitut und mit Dematic einer der führenden Anbieter für Intralogistiklösungen zusammen. Wie schon beim Vorgängermodell stammt die Basistechnologie des Multishuttle Move vom Fraunhofer IML, Dematic zeichnete für die Umsetzung der Komponenten verantwortlich. Zum internationalen Expertenteam bei dieser Entwicklung zählt auch Marco Dorigo, der italienische Mathematiker und Erfinder des so genannten »Ameisenalgorithmus«. Mit ihm soll die »Schwarmintelligenz« auf die Zellulare Intralogistik übertragen werden.
Den ersten großen Praxistest wird das Gesamtsystem Ende des Jahres beim Fraunhofer IML in Dortmund absolvieren. Dort startet der größte Versuch künstlicher Intelligenz, der jemals in der Logistik unternommen wurde. In einer eigens dafür gebauten 1000 m2 großen und 65 Meter langen Versuchshalle übernimmt ein „Schwarm" von 50 Multishuttle Move von Dematic alle Aufgaben klassischer Materialflusstechnik. Damit soll der Beweis angetreten werden, dass die Zellulare Fördertechnik sowohl klassische Fördertechnik als auch Regalbediengeräte ökonomisch und ökologisch sinnvoll ersetzen kann.
Multishuttle Move – Zahlen und Fakten
Nutzlast bis 40 kg
Eigengewicht 134kg
Länge: 1135 mm
Breite: 706 mm
Höhe: 350 mm
Fahrzeit ohne Nachladen: bis zu 2,5 Stunden
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