Realisierte WMS-Projekte

proLogistik GmbH + Co KG

Durchlaufzeit um 60 Prozent verkürzt

Kunde

Heraeus Kulzer Dental GmbH & Co. KG

Fertigstellung

31.10.2000

Land

Deutschland

Branche

  • Pharmazie

Beschreibung

Aufgabenstellung

Firmenprofil
Die Heraeus Kulzer Dental GmbH & Co. KG ist Hersteller von Werkstoffen und Materialien für die Dentalbranche. In den fünf Produktionsstandorten in Deutschland werden ca. 850 Mitarbeiter beschäftigt. Die einzelnen Standorte stellten in der Vergangenheit autonome Organisationseinheiten mit eigenem Vertrieb und Versandstellen dar.

Seit Ende 2000 werden die Vertriebs- und Distributionsfunktionen in Form eines gemeinsamen Customer Service Centers (CSC) sowie eines gemeinsamen Warenverteilzentrums (WVZ) abgewickelt. Während im CSC in Hanau überwiegend administrative Vertriebsaufgaben wahrgenommen werden, erfolgt im WVZ in Dormagen die physische, logistische Distributionsabwicklung. Die dezentrale Struktur der Produktion ist unter Vereinheitlichung der Schnittstellen zwischen den Fertigungsstätten und dem Warenverteilzentrum beibehalten worden.

Einleitung
Mit der Errichtung des neuen Warenverteilzentrums der Firma Heraeus Kulzer in Dormagen wurde auch gleich der Gedanke aufgegriffen, das bestehende Lagerlogistikkonzept mit dem manuellen Karteikasten-System in der Kommissionierung neu zu gestalten, um die Anforderungen des Marktes noch besser zu erfüllen.

Vom Markt wird eine 24-Stunden-Abwicklung gefordert und wie bei Dentalprodukten üblich, muss obendrein eine nahezu absolut fehlerfreie Kommissionierung erfolgen. Um die Lieferfähigkeit und Termintreue noch besser zu erfüllen, sollte also zukünftig zur Steuerung des gesamten Logistikprozesses im WVZ von der Warenannahme bis zur Auslieferung ein Lagerverwaltungssystem (LVS) mit integriertem Datenfunk zur Online-Abwicklung als Subsystem von SAP R/3 implementiert werden.

Online-Steuerung und -Überwachung durch LVS
Mit dem neuen LVS proStore von proLogistik wurden Abläufe geschaffen, die über Parameter und Stammdateneinstellungen die unterschiedlichen Steuerungen erlauben. Das LVS verwaltet zum einen den kompletten Bestand auf Lagerplatz- und Chargenebene im WVZ. Zum anderen steuert und überwacht es die gesamte logistische Prozesskette im WVZ von der Warenannahme über die Einlagerung und Kommissionierung bis hin zum Packen und Versand. Damit konnte die Durchlaufzeit um 60 Prozent verkürzt werden und es wird das Ziel einer tagesgenauen Bearbeitung und einer Lieferfähigkeit innerhalb von 24 Stunden im Direktgeschäft erreicht.

Schon im Wareneingang wird die Kontrolle direkt an der Ware durchgeführt. Der Mitarbeiter bucht sofort online in das System (s. Abbildung 4). Mit der Auswahl der ersten Position bzw. des Artikels werden ggf. Haltbarkeitsdaten, Chargeninformationen, Seriennummern und die gelieferte Menge überprüft. Aus dem Artikelstamm wird dem Anwender angezeigt, wann und in welcher Menge eine Stichprobe für die Qualitätssicherung zu entnehmen ist.

proStore ermittelt für das LHM einen Lagerplatz, wobei artikelspezifische Restriktionen wie Gefahrgut, Chargenreinheit oder Kühlpflicht berücksichtigt werden und generiert einen Transportauftrag (TPA) für die Einlagerung.

Die physische Einlagerung und Kommissionierung erfolgt weiterhin manuell mit Hilfe entsprechender Kommissioniergeräte wie Kommissionierwagen, Schubmaststapler, Niederhubkommissionierern und Handhubwagen. Dabei werden die Mitarbeiter, auf operativer Ebene, mit einem durchgängigen Barcode-System (eindeutige Informationsnummer pro LHM und Lagerplatz) und dem Einsatz mobiler Funkterminals unterstützt. Dadurch können den Mitarbeitern zu jedem Zeitpunkt und überall die notwendigen Informationen bereitgestellt werden und im Gegenzug werden die erfassten Informationen online an das LVS übergeben. Es entfällt die Nacherfassung, und damit verbundene Wegezeiten und Fehlerquellen.

Vom WWS werden sowohl Sofort- als auch Terminaufträge in Form von Lieferungen an das LVS übermittelt. Das LVS filtert die Lieferungen nach bestimmten Kriterien und ermittelt ggf. eine Charge und mittels einer Volumen- und Gewichtsberechnung geeignete LHM´s. Die Lieferungen werden danach in einen Auftragspool geschrieben.

Aus dem Auftragspool werden Kommissionierserien gebildet, in denen mehrere Positionen aus einer oder mehreren Lieferungen sinnvoll zusammengefasst werden. Primäres Ziel der Serienbildung ist es, kurze Wege beim Kommissionieren zu erreichen und möglichst zu einer Lieferung zeitnah alle Positionen zu kommissionieren.

Aus verschiedenen Gründen wie beispielsweise, dass Gefahrstoffe separat behandelt werden müssen oder die Ware über die 3 Gebäudeebenen (UG, EG und 1. OG) verteilt ist, werden Lieferungen für die Kommissionierung in mehrere Kommissionierserien gesplittet und anschließend die einzelnen Positionen in den Auftragszusammenführplätzen (AZP´s) zum Verpacken und Versand wieder zusammengeführt.

Das UG und das 1. OG sind je über eine einfache Transportstrecke fördertechnisch an die Auftragszusammenführplätze vor der Packerei im EG angebunden (s. Abbildung 2 und 3).

Sobald ein Kommissionierer sich über sein Funkterminal freimeldet, bekommt er vom LVS prioritätengesteuert eine Kommissionierserie über eine oder mehrere Positionen angezeigt. Die Kommissionierserie kann aufgrund der berechneten LHM´s aus einer oder mehreren Lieferungen bestehen. Die folgende Einzel- oder Parallelkommissionierung wird wegeoptimiert durchgeführt.

In der Kommissionierung auftretende Nulldurchgänge und Mengendifferenzen werden online auf Material- und Chargenebene protokolliert, sofort eine Inventurbuchung erzeugt und an das WWS gesendet. Dadurch wird eine permanente Inventur erreicht.

Sicherheit durch die Verpackung
Sobald alle Waren zu einer Lieferung vollständig in den AZP`s bereitstehen wird die Lieferung am Packplatz bzw. den Packplätzen (s. Abbildung 5) bereitgestellt, verpackt und versandfertig gemacht. Dazu bekommt der Packer alle komplett kommissionierten Lieferungen mit allen notwendigen Zusatzinformationen nach Prioritäten auf seinem Bildschirm angezeigt.

Jede Position wird am Packplatz durch scannen des in der Dentalbranche üblichen zweidimensionalen HIBC-Barcodes des Artikels quittiert. Die Verpackung erfolgt unter Berücksichtigung der Gefahrgut(GG)-Richtlinien. Das LVS ermittelt aufgrund dieser GG-Richtlinien für den jeweiligen Versandweg (Land, Luft oder See) die günstigste Verpackungsvariante und zeigt sie dem Packer an. Des Weiteren werden GG-Hinweise zu den einzelnen Artikeln und Packstücken durch proStore angezeigt und die laut GG-Vorschriften verbotenen Packkombinationen der Artikel nicht zugelassen.

Alle Packstücke (Pakete oder Paletten) werden vor dem Sendungsabschluss gewogen und Paletten auch vermessen. Dabei werden die Gewichtsdaten automatisch von der Waage und die Höhenangabe der Palette manuell ins LVS übernommen. Beim Schließen eines Packstücks werden die notwendigen Lieferpapiere (Packstückinhaltsschein, Versandetikett, ggf. Gefahrgutetikett etc.) durch das LVS gedruckt.

Bei Abschluss einer Lieferung wird durch das WWS entweder ein Lieferschein oder eine Rechnung gedruckt, dem letzten Packstück beigelegt und das Packstück im Warenausgangspuffer bereitgestellt.

Es sind ggf. noch die entsprechenden Speditions- bzw. Exportpapiere oder Deklarationen von Gefahrgütern (durch das LVS) für den Versand zu erstellen und den Lieferungen beizufügen.

EDV-Konzept
Um bei einem Serverausfall eine kurze Systemstillstandszeit und die 24-Stunden-Abwicklung gewährleisten zu können sind 2 Lagerverwaltungssystem-Server in redundanter Ausführung vorhanden. 1 Rechner läuft produktiv und 1 Rechner im Cold-Standby. Bei Ausfall des Hauptrechners ist der Reserverechner zu aktivieren. Der Datenerhalt wird via Raidlaufwerk (Raid 10) gewährleistet.

Das Breitband-Datenfunksystem ist vollständig in das LVS integriert (s. Abbildung 1). Alle Arbeitsplätze sind mit PC´s (Clients) ausgestattet, die auf den UNIX-Server mit dem Lagerverwaltungssystem zugreifen können. Die 13 Packplätze sind zusätzlich mit einem zweidimensionalen Funkscanner ausgerüstet.

Die mobilen Wareneingangs-Erfassungswagen sind mit einem 12,1“ Touchterminal und einem zweidimensionalem Scanner ausgestattet. Alle anderen mobilen Geräte verfügen über ein 8,4“ Touchterminal (außer den Handgeräten) und einen eindimensionalen Scanner.

LVS bringt Logistik auf Vordermann
Mit proStore wurde für die Heraeus Kulzer Dental GmbH & Co. KG ein Instrumentarium zur effizienten, fehlerminimierten und zuverlässigen Abwicklung von Lieferungen geschaffen:

  • Durchlaufzeit für Exportaufträge im Durchschnitt um 62% verkürzt
  • Durchlaufzeit für Inlandsaufträge im Handel durchschnittlich um 60% reduziert
  • Erhöhung der Anzahl an bearbeiteten Positionen pro Tag um ¼, wobei das Verhältnis Picks zu Positionen gleich geblieben ist
  • Reduzierung des Lagerpersonals um 20%
  • gezielte Nachverfolgbarkeit der Ware vom Wareneingang bis zum Kunden
  • Einführung der permanenten Inventur

Zufriedenheit beim Kunden
Auch Benedikt Pollock, Werksleiter Dormagen bei Heraeus, zeigte sich zufrieden über die intensive Betreuung und den unkomplizierten Auftragsablauf.

Ansprechpartner

Matthias Krane

Telefon: +49 (231) 5194-580

Mkrane@proLogistik.com