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SAP Fiori im EWM-Projekt: keine UI-Option, sondern Teil der SAP Cloud-Strategie

09.02.2026

Interview mit Simon Scheuring, Entwicklung im Bereich Warehouse & Transport Solutions bei FIS

Im Interview erklärt Simon Scheuring, Entwicklung im Bereich Warehouse & Transport Solutions bei FIS, warum die entscheidende Frage nicht „ob Fiori“ lautet, sondern wie Prozesse und Rollen im EWM-Projekt benutzerzentriert gestaltet werden.

SAP verfolgt eine klare strategische Richtung: Innovationen, neue Anwendungen und Erweiterungen entstehen für cloudfähige Architekturen – nach Clean-Core-Prinzipien und konsequent im SAP-Fiori-Umfeld. Für SAP-EWM-Projekte bedeutet das: Die Frage, ob SAP Fiori eingesetzt wird, stellt sich nicht mehr.

Entscheidend ist, wie Fiori im Projekt verankert wird, damit Lagerarbeitsplätze produktiv funktionieren, der Betrieb beherrschbar bleibt und spätere Umstiege nicht blockiert werden. Im Interview erläutert Simon Scheuring von FIS, welche Entscheidungen im EWM-Projekt wirklich zählen und warum Fiori im Lager eine Architektur- und Prozessfrage ist.

In vielen EWM-Projekten wird SAP Fiori noch als optionale Oberfläche betrachtet. Ist diese Sicht heute noch haltbar?

Simon Scheuring: Eigentlich nicht. Die strategische Ausrichtung der SAP ist eindeutig: Innovationen, neue Anwendungen und Erweiterungen entstehen für cloudfähige Architekturen – und folgen Clean-Core-Prinzipien. SAP Fiori ist dabei kein Designtrend, sondern der technische und konzeptionelle Rahmen. Im EWM-Projekt lautet die entscheidende Frage daher nicht mehr „ob Fiori“, sondern wie Fiori so aufgesetzt wird, dass Prozesse, Rollen, Betrieb und Erweiterungen langfristig tragfähig bleiben.

Was bedeutet das konkret für Unternehmen, die ein EWM-Projekt starten?

Simon Scheuring: Fiori muss Teil des Zielbilds und des Scopes sein – spätestens in der Architektur- und Scoping-Phase. Wer Fiori ausklammert oder als „machen wir später“ behandelt, verschiebt eine strategische Entscheidung in eine Projektphase, in der der Handlungsspielraum gering und der Aufwand hoch ist. Dann wird Fiori häufig zum Nachprojekt oder endet in einem Mischbetrieb aus GUI und Fiori, der im Lager mehr Reibung als Nutzen erzeugt.

Viele Lagerverantwortliche sagen: „Wir führen SAP EWM ein, kein UX-Projekt.“ Wie ordnen Sie das ein?

Simon Scheuring: Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Fiori ist kein Look-and-Feel Thema, sondern der Rahmen, in dem SAP Prozesse, Rollen und Erweiterungen benutzerzentriert gedacht werden. Gerade im Lager zeigt sich das sehr konkret: Arbeitsplätze sind rollenbasiert und klar abgrenzbar. Wenn Fiori nicht von Anfang an mitgedacht wird, werden alte Dialoge übernommen, Sonderlogiken fortgeschrieben und neue Prozesse mit alten Werkzeugen umgesetzt. Das widerspricht der SAP-Strategie – und kostet Produktivität.

Sie sprechen von „Arbeitsplätzen statt App-Listen“. Warum ist das so entscheidend?

Simon Scheuring: Lagerarbeit funktioniert nicht in Modulen oder App-Sammlungen, sondern in Aufgabenketten. Ein Arbeitsplatz wie Warenausgang oder Kommissionierung muss ohne Medienbruch funktionieren. Es wird ein Single-Point-of-Entry benötigt – und das sollte das Fiori-Launchpad sein. Ziel ist eine konsistente Logik mit klaren Prozessschritten. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass ein und derselbe Anwender parallel mit unterschiedlichen Oberflächen arbeiten muss.

Erfolgreiche Projekte schneiden den Scope deshalb nach Rollen und Arbeitsplätzen, nicht nach verfügbaren Apps. Fehlende native UI5-Anwendungen lassen sich dabei pragmatisch ergänzen – etwa durch klassische Transaktionen, die über SAP GUI for HTML im Launchpad integriert oder aus UI5-Apps heraus aufgerufen werden. Für bestimmte Logistikprozesse ist das nicht nur akzeptabel, sondern sinnvoll.

Oft wird argumentiert, Fiori verursache zusätzlichen Aufwand im Betrieb. Was sagt die Praxis?

Simon Scheuring: Die reine Bereitstellung der Fiori-Komponenten ist heute Standard und selten der Kostentreiber. Der Aufwand entsteht dort, wo er auch Nutzen stiftet: Bei Rollen- und Berechtigungskonzepten, der Launchpad-Struktur, dem Arbeitsplatzdesign, Enablement und einer sauberen Erweiterungsstrategie. Teuer wird es dann, wenn diese Themen nicht eingeplant sind und später unter Zeitdruck nachgezogen werden müssen. Dann entsteht faktisch ein zweites Projekt – mit deutlich höherem Change- und Betriebsaufwand.

Welche Rolle spielen Clean Core und Cloud-Readiness im SAP EWM-Kontext, auch wenn Unternehmen on-premise bleiben?

Simon Scheuring: Cloud-Readiness heißt nicht „Cloud jetzt“, sondern „beweglich bleiben“. Die zentrale Frage ist, wie sich das System an neue Standards, Releases und strategischen Vorgaben anpassen lässt, ohne jedes Mal ein Umbauprojekt zu starten. Clean Core sorgt dafür, dass Erweiterungen updatefähig und beherrschbar bleiben. Fiori ist dabei ein zentraler Enabler, weil Erweiterungen, Rollenlogik und Personalisierung hier standardisiert vorgesehen sind. Wer im SAP EWM-Projekt neue GUI-Sonderlogik aufbaut, erhöht den späteren Umstellungsdruck erheblich.

„SAP Fiori im EWM-Projekt ist keine Geschmacks- oder UI-Frage. Es ist die Konsequenz aus der SAP-Cloud-Strategie und den Clean-Core-Prinzipien. Unternehmen können nicht entscheiden, ob sie diesen Weg gehen – nur wann, und wie strukturiert.“

Simon Scheuring – Entwicklung Bereich Warehouse & Transport Solutions, FIS Informationssysteme und Consulting GmbH

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Entscheidungen im Projekt?

Simon Scheuring: Folgende Punkte entscheiden darüber, ob Fiori zum Produktivitätshebel wird oder später zu einem Problem: Erstens ein klares Zielbild und ein sauberer Scope – Fiori ist Teil der Architektur, nicht optional. Zweitens Betrieb und Governance – mit klaren Richtlinien für Erweiterungen und Verantwortlichkeiten. Drittens Change Management und Wissensaufbau – Rollen und Aufgaben müssen klar definiert sein, und es braucht die Bereitschaft, neue Arbeitsweisen zu erlernen und konsequent umzusetzen.

Wie geht FIS im Projekt vor, um benutzerzentrierte Prozesse im Lager abzubilden?

Simon Scheuring: Wir starten bei den Prozessen, nicht bei der Oberfläche. In einem SAP EWM-Projekt werden Abläufe im Lager ohnehin neu betrachtet – genau dort setzen wir an. Gemeinsam mit Fachbereich und IT klären wir, wie die Prozesse tatsächlich gelebt werden, welche Rollen es gibt und welche Aufgaben diese Rollen im Alltag ausführen müssen.

Darauf aufbauend definieren wir konkrete Arbeitsplätze, etwa für Wareneingang, Kommissionierung oder Warenausgang. Für jeden Arbeitsplatz wird festgelegt, welche Prozessschritte ohne Medienbruch abgedeckt sein müssen und welche Informationen dafür wirklich relevant sind. Fiori dient dabei als Rahmen, um diese Prozesse rollenbasiert, übersichtlich und konsistent abzubilden – nicht als nachgelagerte Oberfläche.

So entstehen Arbeitsplätze, die sich an den realen Prozessen orientieren und im Tagesgeschäft funktionieren. Das reduziert Komplexität, verkürzt Einarbeitungszeiten und stellt sicher, dass neue Prozesse nicht mit alten Bedienkonzepten umgesetzt werden.

Ihr Fazit für Entscheider?

Simon Scheuring: SAP Fiori im EWM-Projekt ist keine Geschmacks- oder UI-Frage. Es ist die Konsequenz aus der SAP-Cloud-Strategie und den Clean-Core-Prinzipien. Unternehmen können nicht entscheiden, ob sie diesen Weg gehen – nur wann, und wie strukturiert. SAP EWM-Projekte bieten die Chance, Fiori von Beginn an richtig zu verankern: mit klaren Rollen, benutzerzentrierten Arbeitsplätzen und einer Erweiterungsstrategie, die Zukunftsfähigkeit sichert. Wer diese Chance nutzt, vermeidet Nachprojekte – und gewinnt Produktivität im Lager.

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