Die Einführung einer neuen Logistik IT zählt zu den komplexesten Projekten in der Intralogistik. Ob Warehouse Management System (WMS), Transport Management System (TMS) oder eine andere Logistiksoftware – Fehler beim Go-live können Lieferverzögerungen, Bestandsabweichungen, Prozessunterbrechungen und erhebliche Mehrkosten verursachen. Der Erfolg eines solchen Projekts hängt deshalb nicht allein von der Auswahl der passenden Software ab, sondern vor allem von einer strukturierten Teststrategie. Systematische Testphasen ermöglichen es, Fehler frühzeitig zu erkennen, technische Risiken zu minimieren und die Qualität der Software vor dem Echtbetrieb sicherzustellen. Gleichzeitig schaffen dokumentierte Tests und Abnahmen Transparenz, erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Softwareanbieter und bilden die Grundlage für eine rechtssichere Projektabwicklung.
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Ein erfolgreicher Systemstart basiert auf mehreren aufeinander aufbauenden Testphasen. Jede Phase verfolgt ein klares Ziel und trägt dazu bei, technische sowie organisatorische Risiken schrittweise zu reduzieren.
Abbildung: Testphasen bei der Einführung von Logistik IT
Den Einstieg bilden Funktionstests in der Entwicklungsumgebung des Softwareanbieters. Hier wird überprüft, ob Programmierung und Konfiguration den Anforderungen aus Lasten- und Pflichtenheft entsprechen. Neben der Prüfung einzelner Funktionen (Modultests) sollte insbesondere das Zusammenspiel aller Module in Integrations- und Prozesstests validiert werden.
Bewährt hat sich dabei das Vier-Augen-Prinzip: Eine zweite, unabhängige Person des Softwareanbieters kontrolliert die Testergebnisse, bevor die Software an den Kunden übergeben wird. So lassen sich Fehler bereits in einer frühen Projektphase erkennen und beheben.
Parallel dazu werden sämtliche Schnittstellen zu bestehenden Systemen geprüft – beispielsweise zu ERP-Systemen, Fördertechnik, Automatisierungskomponenten oder einem WMS, sofern dieses Teil der Systemlandschaft ist.
Dabei wird zwischen zwei Prüfebenen unterschieden:
Gerade bei komplexen Logistik IT-Projekten ist die enge Zusammenarbeit zwischen Softwareanbieter und den IT-Verantwortlichen des Kunden ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Den Abschluss der Entwicklungsphase bildet der Factory Acceptance Test (FAT). Hier weist der Softwareanbieter nach, dass die vereinbarten Funktionen und Prozesse vollständig umgesetzt wurden. Im manuellen Lagerumfeld beträgt diese Testphase häufig rund vier Wochen.
Nach erfolgreichem FAT folgt der Site Acceptance Test (SAT) in der realen Systemumgebung des Kunden. Die Software wird erstmals unter produktionsnahen Bedingungen mit echter Hardware, realen Stammdaten und typischen Geschäftsprozessen getestet.
In vielen Projekten wird der SAT gleichzeitig als User Acceptance Test (UAT) genutzt. Die späteren Anwender prüfen dabei, ob die Software ihre täglichen Arbeitsabläufe zuverlässig unterstützt, und geben das System anschließend offiziell frei.
Ein häufig unterschätzter Bestandteil dieser Phase sind Belastungs- und Lasttests. Viele Performance-Probleme treten erst unter hoher Auslastung auf – beispielsweise wenn zahlreiche mobile Endgeräte gleichzeitig Daten übertragen oder mehrere Prozesse parallel ausgeführt werden. Werden solche Szenarien bereits vor dem Go-live getestet, lassen sich spätere Betriebsstörungen deutlich reduzieren.
Ein professioneller Testprozess beginnt lange vor dem ersten Testlauf. Alle Standard- und Sonderfälle aus Lasten- und Pflichtenheft sollten in einem strukturierten Testkatalog dokumentiert werden. Während der Testdurchführung werden Testergebnisse, Fehlerbeschreibungen, Prioritäten, Verantwortlichkeiten und Bearbeitungsstände nachvollziehbar festgehalten.
Je präziser ein Fehler dokumentiert wird, desto schneller kann er behoben werden. Eine vollständige Fehlermeldung beantwortet deshalb immer vier zentrale Fragen:
Neben funktionalen Fehlern sollten auch Benutzerfreundlichkeit, Performance, Antwortzeiten und das Verhalten des Systems bei Ausnahmesituationen bewertet werden.
Der finale Abnahmetest erfolgt während des Go-live und der anschließenden Hochlaufphase. Da sich das Systemverhalten im Echtbetrieb häufig von der Testumgebung unterscheidet, sollte der Beginn der Gewährleistung nicht automatisch mit dem Produktivstart verknüpft werden.
Eine gemeinsame Einteilung offener Punkte in Fehlerkategorien schafft Transparenz und verhindert spätere Konflikte. Kritische und wesentliche Fehler sollten vor der Abnahme behoben werden, während geringfügige Mängel im Rahmen eines verbindlich vereinbarten Maßnahmenplans nachgearbeitet werden können.
Abbildung: Fehlerkategorien bei Softwaretests
Die Einführung einer neuen Logistik IT endet nicht mit dem Go-live. Sie markiert vielmehr den Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Softwareanbieter. Deshalb sollten Testverfahren, Abnahmekriterien, Verantwortlichkeiten und Fristen bereits zu Projektbeginn eindeutig definiert werden.
Wer Testphasen als strategischen Bestandteil der Implementierung versteht und nicht lediglich als Pflichtprogramm betrachtet, schafft die Grundlage für einen stabilen Echtbetrieb, hohe Nutzerakzeptanz und eine nachhaltige Digitalisierung logistischer Prozesse. Mehr Informationen zum Thema finden Sie in unserem Whitepaper: »Leitfaden für erfolgreiche Softwaretests in der Intralogistik«