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Nachlese LogiMAT 2009 - Fachforum MES trifft den Nerv der Branche

24.03.2009

Unter dem Motto „Produktionssysteme der nächsten Generation“ veranstaltete die Messe LogiMAT zum dritten Mal ein Fachforum zum Thema Manufacturing Execution Systeme (MES).

Im von Dr. Winfried Felser, Vorstand der NetSkill AG, moderierten Forum standen zwei unterschiedliche Ansätze für das operative Fertigungsmanagement in kontroverser Diskussion: MES als proprietäre Insellösung contra ins ERP integrierter MES-Funktionen.
„Die vollständige Funktionsabdeckung und die sichere Verarbeitung der Flut von Produktionsdaten ist definitiv der Vorteil einer eigenständigen Lösung“, argumentiert Karl Schneebauer, Partner Relations Manager der MPDV Mikrolab GmbH. Statt von Erweiterungen für die Finanz-buchhaltung ausgebremst zu werden, präferierten viele Kunden – über 600 alleine bei MPDV – dezentrale Serverlösungen zur Verarbeitung von Produktionsfeindaten. Geringe Mehrkosten für Hardware würden ebenso wenig ins Gewicht fallen, wie Kosten für Schnittstellen und die Kopplung an bestehende IT-Systeme.
„Unsere Systeme sind einfach leistungsfähiger“, sagt Schneebauer: „Die Masse der Daten bleibt im MES und muss nicht ins ERP-System gewälzt werden.“

Integration beschleunigt Durchlaufzeiten
„Investitionsschutz hat auch in der Produktionssteuerung höchste Priorität und da ist SAP führend“, kontert Wolfgang Rüth, Geschäftsbe-reichsleiter MES bei der SALT Solutions. „Wer sich ein System auf SAP-Basis zulegt, wie wir es bieten, bekommt den Source-Code in ABAP geliefert und ist damit unabhängig vom IT-Dienstleister.“
Die notwendigen Funktionen im Produktionsmanagement sind heute für SAP-Anwender bereits umgesetzt und deren intuitive Bedienung auf die Bedürfnisse der Werker in der Shop-Floor-Ebene zugeschnitten. Zum ersten Mal ist es damit möglich, in der Fertigung alle Aufgaben egal ob ERP, MES oder LES-Funktionen mit nur einem operativen System zu erledigen.
„Viele Unternehmen leiden bereits bei der Einführung der logistischen Komponenten der SAP“; widerspricht Schneebauer. Ein SAP-basiertes MES glätte da nur die Wunden durch eine verbesserte Auftragssteue-rung. „Maschinendatenintegration, Chargen-Rückverfolgung – bis das SAP richtig kann, dauert es noch mindestens eine Softwaregeneration“, ist sich Schneebauer sicher.
„Für die Rückverfolgung der Produkte und Komponenten ist es zwingend notwendig, ERP- und MES-Ebene zu synchronisieren, um die betriebswirtschaftlichen Belege mit den Prozess-, Qualitäts- und Auftragsdaten zu verheiraten“, sagt Wolfgang Rüth. Das sei eine der zentralen Aufgaben, die nur in einer hoch integrierten Welt zu lösen sei. Ei-genständige MES Lösungen haben die Eigenschaft, das zentrale ERP-System Schritt für Schritt mehr zu entmachten und sogar Kernprozesse des ERP, wie die Stücklistenverwaltung oder den MRP-Lauf auf die MES Ebene zu verlagern. Das Endergebnis dieser Vorgehensweise ist in der Regel die Entstehung zweier„ERP-Systeme“, von denen das ursprüngliche ERP zu einer reinen Buchungs- und Abrechnungsma-schine verkümmert.

MES sind die Zukunft
Alle Teilnehmer waren sich jedoch einig: MES bringen gerade in Zeiten wirtschaftlicher Einschnitte Geschwindigkeit und Präzision in Fertigungsprozesse, machen den Produktionsstandort Deutschland attraktiv und können sich schon innerhalb weniger Monate amortisieren.
„Auch wenn ins ERP integrierte MES auf dem Vormarsch sind, haben autarke Insellösungen nach wie vor ihre Daseinsberechtigung und handfeste Vorteile“, resümiert Dr. Felser zum Abschluss der Diskussion. So hänge die Entscheidung für oder gegen das jeweilige System stark von der Betriebsgröße, der Fertigungstiefe und der Integration der Produktion in den gesamten Logistikprozess ab. Der Markt sei für beide Anbieter jedenfalls groß genug; und für Produktionsunternehmen sei es wichtig, zwischen Alternativen wählen zu können.