Definition WMS / LVS

Was ist ein WMS bzw. LVS?

Was ist ein WMS bzw. LVS?

Häufig gibt es Schwierigkeiten bei der Begriffsbestimmung: Ist ein Lagerverwaltungssystem (LVS) dasselbe wie ein Warehouse Management System (WMS)? Ist WMS nicht einfach die englische Abkürzung für LVS? Was ist der Unterschied zwischen LVS und WMS?

Die folgenden Definitionen erklären die Unterschiede und bestimmen die jeweiligen Aufgaben.

Hinweis: Seit September 2015 ist die finale Version der VDI-Richtlinie 3601 über den Beuth Verlag erhältlich. Sie beschäftigt sich explizit mit der Frage, was ein IT-System leisten muss, damit es als WMS bezeichnet werden kann.

Lagerverwaltungssystem vs. Warehouse Management System

Ein Lagerverwaltungssystem beschreibt im Kernbereich zunächst ein System zur Verwaltung von Mengen und Orten (Lagerorten) und insbesondere deren Beziehung zueinander. Zusätzliche Funktionen können dabei auch die Verwaltung der Transportsysteme beinhalten. Somit stellt ein Lagerverwaltungssystem im engeren Sinne ein Lagerbestandsverwaltungssystem dar.

Das Warehouse Management bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch dagegen die Steuerung, Kontrolle und Optimierung komplexer Lager- und Distributionssysteme. Neben den elementaren Funktionen einer Lagerverwaltung wie Mengen- und Lagerplatzverwaltung, Fördermittelsteuerung und –disposition, gehören zu Warehouse Management Systemen nach dieser Betrachtungsweise auch umfangreiche Methoden und Mittel zur Kontrolle der Systemzustände und eine Auswahl an Betriebs- und Optimierungsstrategien zum Leistungsumfang. Die Aufgabe von WMS besteht in der Führung und Optimierung von innerbetrieblichen Lagersystemen.

In der Praxis werden die Begriffe Lagerverwaltungssystem und Warehouse Management System meist synonym verwendet.

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Funktionsumfang eines WMS

Ein Großteil der WMS-Anwender wünscht sich ein individuelles Standard-WMS, d.h. das WMS soll die individuellen Geschäftsprozesse funktional abdecken ohne dabei eine (teure) Individual-Lösung zu sein. Diesem Anspruch versuchen die Anbieter Rechnung zu tragen, indem sie Systeme entwickeln, die einen modularen Aufbau besitzen, sich (vom Kunden) parametrisieren lassen und definierte Programmroutinen vorweisen, die individuell programmierte Funktionen in das System integrieren.

Kernfunktionen Verwaltung,Lagerstruktur,Stammdatenverwaltung,Bestandsverwaltung,Transportverwaltung,Kernfunktionen Prozesse,Wareneingang,Avisierung,Vereinnahmung,Dekonsolidierung,Qualitätsprüfung,Einlagerung,Avisabschluss / Bestandsrückmeldung,Lagerinterne Prozesse,Umlagerung / Nachschub / Umbuchung,Inventur,Leitstand,Warenausgang,Auftragsverwaltung,Kommissionierung,Konsolidierung,Verpackung,Versand,Lieferrückmeldung,Zusatzfunktionen,Chargen (mit Berücksichtigung der Verordnung (EG) Nr. 178/2002),Cross-Docking,Dock-/Yardmanagement,Doppelt-/Mehrfachtiefe Lagerung,Gefahrstoffe / Gefahrgut,Gewichtskontrolle,Handling-Units-Management,Konsignation,Leergut und Ladehilfsmittel,Materialflusssteuerung,(Mehr-) Mandantenfähigkeit,Mehrlagerfähigkeit,Mindesthaltbarkeitsdaten,Packstückoptimierung,Produktionsversorgung und -entsorgung (inkl. Kit-Bildung),Ressourcenplanung/Labour Management,Retouren,Seriennummern,Slotting und Lagerreorganisation,Staplerleitsystem,Value Added Services,Vendor Managed Inventory,Verschrottung,Zoll

Ein modernes WMS ist modular aufgebaut, wobei sich die einzelnen Funktionen in Kern- und Zusatzfunktionen sowie Erweiterungsmodule zusammenfassen lassen. Dies ermöglicht, dass beim Kunden nur noch die benötigten Module, nicht mehr das gesamte WMS, installiert werden müssen. Ist in der Zukunft eine Erweiterung der Funktionalität nötig um neue Aufgabenfelder funktional zu unterstützen, so werden die erforderlichen Module zum bestehenden System hinzugefügt und aktiviert; dies sollte laut Anbieterangaben auch reibungslos funktionieren. Der Kunde bezahlt in der Regel auch nur noch für die benötigte Funktionalität.

Ein Standard-WMS besitzt alle Funktionen die zur Führung und Optimierung von innerbetrieblichen Lagersystemen notwendig sind. Das Fraunhofer IML zählt hierzu die Kernfunktionen inklusive der funktionalen Unterstützung vom Wareneingang bis zum Warenausgang.

Grundsätzlich definiert der Anwender den Umfang des WMS. Jede Funktion, die der Anwender für notwendig erachtet, gehört zu seinem WMS.

Kernfunktionen

Die Kernfunktionen gehören zum ordinären Funktionsbereich jedes WMS. Sie sind für den Betrieb des WMS unabdingbar und gehören zum minimalen Installationsumfang jedes Systems. Einige wenige Kernfunktionen, wie z.B. Inventur, werden auch von Spezialisten als eigenständige Module separat angeboten. Normalerweise werden die Kernfunktionen aber ausschließlich durch Module des WMS-Anbieters unterstützt. Die Kernfunktionen unterstützen den Haupteinsatzbereich jedes WMS: Von der Warenannahme bis zum Versand.

Zusatzfunktionen

Die Zusatzfunktionen gehören ebenfalls zum gewöhnlichen Funktionsbereich jedes WMS, werden aber nur installiert, wenn der Kunde die entsprechende Funktionalität auch benötigt. Auch bei den Zusatzfunktionen gibt es Module, z.B. Dock- und Yardmanagement sowie Ressourcenplanung, die von Spezialfirmen separat angeboten und per Schnittstelle mit dem WMS verknüpft werden. Gewöhnlich gehören die Zusatzfunktionen aber zum Standardangebot des WMS-Anbieters.

Erweiterungsmodule

Erweiterungsmodule, z.B. RFID-Software oder Pick-by-Voice-Systeme, sind in der Regel eigenständige Softwarepakete, die den Funktionsumfang eines WMS erweitern beziehungsweise die Arbeitsabläufe innerhalb eines Lagers optimieren. Sie werden gewöhnlich nicht vom WMS-Anbieter entwickelt und vertrieben, mit Ausnahme von Pick-by-Light-Systemen und ganz selten Pick-by-Voice-Systemen. Die Erweiterungsmodule werden „WMS-neutral“ entwickelt und können somit an nahezu jedes WMS angebunden werden.

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