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SAP EWM/MFS in der Cloud
23.06.2026
Lanxess erneuert Werkslogistik im laufenden 3-Schichtbetrieb.
Versorgungssicherheit, Effizienz und Zukunftsfähigkeit waren die treibenden Elemente für den Chemie-Konzern Lanxess das über 20 Jahre alte proprietäre Lagerverwaltungs- und Materialflusssystem am Standort Krefeld-Uerdingen durch eine performante, cloudbasierte SAP EWM / MFS (SAP Extended Warehouse Management / Material Flow System) Gesamtlösung abzulösen. Dabei stand eine nahtlose Integration der automatischen Kanallager, des Staplerleitsystems für mehrere Bodenblocklager für Lagerung und Versand, die Anbindung eines Automatikpufferlagers sowie optimierte Materialflüsse via SAP Standardsoftware im Zentrum.
Das Ergebnis: Eine moderne, durchgängig performante, zukunftsfähige Logistiklösung, die eindrucksvoll beweist, wie erfolgreiche Digitalisierung im laufenden Mehrschichtbetrieb (24/7/365) möglich ist. Die Auflösung von historisch gewachsenen Strukturen setzt neue Maßstäbe für die Produktionslogistik.
Die LANXESS Deutschland GmbH ist ein global agierender Spezialchemie-Konzern mit Hauptsitz in Köln. Rund 12.000 Mitarbeitende in 32 Ländern produzieren chemische Zwischenprodukte, Additive, Spezialchemikalien und Kunststoffe. Am Standort Krefeld-Uerdingen stellt die Business Unit Inorganic Pigments (IPG) synthetische Eisenoxid- und Chromoxidpigmente her. Die Anlage verfügt über eine Produktionskapazität von über 240.000 Tonnen. Die Pigmente werden beispielsweise für die Färbung von Pflastersteinen, Fassadenfarben oder Druckertonern eingesetzt. Auch in der Automobil- und Kunststoffindustrie sorgen IPG-Pigmente für langlebige Farbgebung.
Automatisierung trifft Vielfalt
Herzstück der Werkslogistik, über die täglich rund 1.000 Positionen im Warenein- und -ausgang abgewickelt werden, ist ein hochautomatisiertes Kanallager (ABL) mit rund 14.000 Palettenstellplätzen. Das Lager erstreckt sich über zwei miteinander verbundene Gebäude und ist über eine leistungsfähige Fördertechnik vollständig integriert. In 15 Ebenen übernehmen automatisierte Trolleys (Paletten-Shuttle) gemeinsam mit sechs Hebe- und Senkeinheiten die Ein- und Auslagerung bei bis zu 16-fach tiefer Kanal-Lagerung.
Ergänzt wird die hochautomatisierte Produktionslogistikanlage durch mehrere manuell bediente Bodenblocklager mit über 10.000 Palettenstellplätzen inklusive einer Packmittel und Rohstofflagerung.
Mit der Einführung von SAP EWM/MFS hat LANXESS die Werkslogistik strategisch auf die Zukunft ausgerichtet.
Ausgangssituation: Altsysteme am Limit
Seit Ende der 1990er Jahre wurden zwei separate Warehouse Management Systeme (WMS) mit Materialflussrechner genutzt, die zunehmend an ihre funktionalen und technologischen Grenzen stießen. Der Support für die bislang eingesetzten proprietären WMS wurden eingestellt, Erweiterungen waren nicht mehr möglich – das Betriebsrisiko stieg spürbar. Gleichzeitig fehlte es an der notwendigen Flexibilität, insbesondere im Hinblick auf eine moderne und effiziente Materialflusssteuerung.
Es fehlte eine übergreifende und transparente graphische Stellplatzverwaltung, die sowohl die Bodenblocklager, wie auch den Versandbereich und auch die automatischen Lagerbereiche übergreifend und nachvollziehbar abbildete.
Projektziele & Auswahl des Implementierungspartners
Nach einer umfassenden Ausschreibung durch das Fraunhofer IML fiel die Wahl auf SAP EWM / MFS. Um sich auf die optimale Gestaltung der Geschäftsprozesse zu konzentrieren, entschied sich Lanxess, das Hosting auszulagern und nutzt daher die SAP Private Cloud. Als Implementierungspartner wählte Lanxess die IGZ aus Falkenberg. Ausschlaggebend waren hier die tiefgreifende SAP-Expertise sowie überzeugende Referenzprojekte, in denen ähnliche Herausforderungen bereits erfolgreich gemeistert wurden.
Kernziel des Projekts war die vollständige Integration des neuen Lagerverwaltungssystems in die bestehende SAP-Landschaft – bei laufendem Betrieb. Das hatte zur Folge, dass vor der Einführung des neuen Systems nur sehr geringe Testfenster an Wochenenden für finale Anlagentests zur Verfügung standen, die maximal effizient genutzt werden mussten, sodass der Erhalt der Betriebsfähigkeit der Produktion während der Umstellung, die Optimierung der Materialflusssteuerung (v. a. in den Automatiklagern), eine durchgängige mobile Datenerfassung für alle logistischen Prozesse sowie eine reibungslose Systemumstellung ohne Unterbrechung der Produktion gewährleistet war.
Automatisiertes Kanallager (ABL) mit rund 14.000 Palettenstellplätzen: Auf 15 Ebenen sorgen bis zu fünfzehn Trolleys sowie moderne Fördertechnik für effiziente Ein- und Auslagerung – auch bei 16-fach tiefer Lagerung über zwei verbundene Gebäude.
Technische Tiefe, strategischer Weitblick
Die Komplexität des Lagers und der Fördertechnik – insbesondere die Steuerung der automatischen Trolleys, Heber und Senker – erforderte enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit der Konzeptions-, Umsetzungs- und Testaktivitäten. Ein zentraler Erfolgsfaktor war dabei die IGZ-Anlagenemulation: Mit Hilfe dieses digitalen 3D-Zwillings konnten alle Lager- und Steuerungsfunktionen vollständig und realitätsnah vorab getestet werden – ganz ohne Eingriff in den laufenden Betrieb. Mit Hilfe dieses Tools war es möglich die konzentrierten Testfenster an den Wochenenden ideal zu nutzen und die Einschränkung des laufenden Betriebs war minimal.
Ein weiterer Fokus lag auf der Integration qualitätsrelevanter Prozesse im produktionsnahen Umfeld. Freigaben von Produktionschargen wurden direkt ins SAP EWM eingebunden.
Die Produktionsentsorgung stellte besonders hohe Anforderungen an die Systemperformance: Fertigwaren müssen im Mehrschichtbetrieb effizient in die Lagerbereiche überführt werden – ohne Verzögerungen und mit maximaler Prozesssicherheit.
Technologisch anspruchsvoll war zudem die Verzahnung des dezentralen SAP EWM/MFS, welches für größere Standorte und Automatiklager eingesetzt wird, mit einem in SAP S/4HANA eingebetteten zentralen SAP EWM, welches für kleine, rein manuelle Standorte genutzt wird. Diese hybride Kombination sichert maximale Flexibilität und verringert Abhängigkeiten und Einführungsaufwände für manuelle Standorte. Auch das bestehende Manufacturing Execution System wurde erfolgreich angebunden: Mitarbeitende werden bei der Kommissionierung mit mobilen Endgeräten auf SAP UI5 (FIORI) Basis gezielt unterstützt.
Der zentrale Anlagenleitstand profitiert zudem von dem erstmalig pilotierten integrierten IGZ Graphical Warehouse Layout. Dieses Best Practices basiert vollständig auf SAP EWM und ermöglichen dem Kunden ein effizientes Monitoring der Anlage im laufenden Betrieb und sorgt parallel für maximale Transparenz über alle Anlagenzustände des Automatikgewerks, visualisieren die umfangreiche Bereitstellzone, stellen relevante KPIs zur Verfügung und ermöglichen schnelle, gezielte Reaktionen im operativen Betrieb.
Die mobilen Devices an den Staplern sind mit ergonomischen SAP EWM Benutzeroberflächen ausge-stattet und ermöglichen den Mitarbeitenden maximale Transparenz.
Reibungsloser Go-Live trotz laufender Produktion
Der Go-Live erfolgte als Big Bang. Johannes Goertz, Projektleiter bei Lanxess subsummiert zufrieden:
»Die Umstellung verlief störungsfrei und bestätigt, dass wir mit SAP EWM/MFS und IGZ die richtige Entscheidung für unsere Werkslogistik getroffen haben. Nach dreimonatiger Anlaufphase konnte mit Hilfe neu definierten KPI’s u.a. der Ordnungsindex der Einlagerung signifikant verbessert werden. Die Gesamtperformance wurde gesteigert und ist dauerhaft auf hohem Niveau.«
Mit der Einführung von SAP EWM/MFS hat LANXESS die Werkslogistik nun strategisch auf die Zukunft ausgerichtet. Die Prozesse sind heute vollständig digitalisiert, transparent und effizient steuerbar. Das neue System ist skalierbar und anpassbar an künftige Anforderungen – von Produktionssteigerungen bis zu neuen Schnittstellen.
Die Integration von SAP S/4HANA mit SAP EWM, MES und QS sorgt für eine konsistente Informationsbasis. Optimierte Materialflussstrategien steigern Durchsatz und Verfügbarkeit, während potenzielle Fehlerquellen reduziert werden.
Die durchgängige Bestandstransparenz erhöht die Steuerungsqualität und Liefersicherheit. Darüber hinaus sorgen mobile Endgeräte und grafische Visualisierung für eine intuitive Bedienung – in automatisierten wie manuellen Lagerbereichen. Auch die nachgelagerte Optimierungsphase im laufenden Betrieb konnte u.a. mit Hilfe des 24/7/365 IGZ Service Team störungsfrei realisiert werden.
Fazit: Zukunft mit System
Der Wechsel auf SAP EWM/MFS markiert für LANXESS einen strategischen Meilenstein auf dem Weg zu einer zukunftssichere Werkslogistik. Das Projekt steht exemplarisch dafür, wie selbst hochkomplexe Systeme im laufenden Betrieb erfolgreich umgestellt werden können – mit intelligenter Planung, moderner Technologie und einem erfahrenen Partner wie IGZ.
So bleibt das Werk Krefeld-Uerdingen nicht nur logistisches Rückgrat der Pigmentproduktion, sondern positioniert sich zugleich als Vorreiter in der Digitalisierung und Automatisierung innerhalb der Spezialchemie.
